Quito. Die Mitte der Welt… was für eine Stadt. Der Stadt eilt ein Hauch von Abenteuer voraus. Hier wird die Luft im wahrsten Sinne des Wortes dünn: mit etwa 2850 m über dem Meeresspiegel gilt Quito als die höchste Hauptstadt der Welt (nur La Paz in Bolivien ist noch höher, aber keine offizielle Hauptstadt)
Quito liegt in den Anden in einem Tal, nur etwa 20 Kilometer südlich des Äquators.
Die Stadt ist mit ihrer gut erhaltene historische Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe und liegt in unmittelbare Nähe zu mehreren Vulkanen.

Hier wollen wir noch ein paar Tage verbringen, bevor es zurück in die Heimat geht. Ein bisschen Sightseeing, schon mal Äqatorluft schnuppern und schauen wie es sich anfühlt, so hoch überm Meeresspiegel…

Wir beziehen ein AirBnB über den Dächern der Altstadt. Gut, dass wir kein Motorrad mehr dabei haben. Die Fahrt hierher war schon im Taxi kein echtes Vergnügen… Quito empfängt uns mit chaotischen Verkehrsverhältnissen, teilweise seltsamem Einbahnstraßensystem und engen, extrem steilen Straßen… selbst das Taxi quält sich und ich hab bald komplett die Orientierung verloren.

Aber die Quälerei lohnt sich… wir werden mit einer fantastischen Aussicht belohnt. In einer sehr engen und steilen Straße, hinter einer schlichten Holztür erwartet uns ein kleines Idyll: unser Mini-Apartment hat alles was, wir für die letzten Tage brauchen … kleines Bad, Küchenzeile und vom Bett aus schauen wir direkt auf die Dächer der höchsten Hauptstadt der Welt.



… nur eins hat es nicht… eine Heizung, nur einen kleinen Mini-Heizlüfter…. Als wir die Bude betreten schlägt uns Eiseskälte entgegen… Ei, das kann ja heiter werden 🥶.
Wir ordern erstmal beim Vermietern einen zweiten Heizlüfter, stellen beide auf volle Pulle und machen uns aus dem Staub.

… Gegend erkunden, was essen , einkaufen, Atmosphäre genießen…





Es wird schnell dunkel hier und damit auch draußen kalt. Zeit zum AirBnB hochzukraxeln und zu schauen, was die Heizlüfter so geschafft haben…




By Night ist die Kulisse noch atemberaubender!


Ein Traum… Unter uns funkeln die beleuchteten Kirchtürme der Stadt und auf dem gegenüberliegenden Hügel strahlt uns die Virgen del Panecillo entgegen, eines der Wahrzeichen der Stadt… und die Temperatur ist dank der ballernden Heizlüfter auch erträglich, wenn man sich ins Bett kuschelt sowieso 😉.

Das wird unser neuer Lieblingsplatz.

Fensternische mit Aussicht… hier könnte ich den ganzen Tag sitzen und gucken…





Das Wetter am nächsten Morgen ist traumhaft, klarer blauer Himmel und nur ein ganz paar Wölkchen. Das perfekte Wetter, um auf den Berg zu fahren… noch ein bisschen höher und den Wolken entgegen und mit Blick auf die Stadt.


Wie in Bogota ist dies auch hier in Quito möglich. Auch hier gibt es eine teleferico, die uns in luftige Höhen bringt.

Nach dem Frühstück machen wir uns mit dem Uber auf den Weg zur Talstation. Von dort geht es per Seilbahn in 3950 m Höhe auf die Ostseite des Vulkans Pichincha.



Bei der Fahrt hoch wird es einem schon ganz schön mulmig. Ich gucke lieber nicht direkt hinunter. Da sitzen wir nun in der schaukeligen Gondel und die Stadt unter uns wird immer kleiner…. Da ist man doch froh, wenn man oben wieder festen Boden unter den Füßen hat.



Oben empfängt uns eine ziemliche Brise und ein atemberaubender Blick…



Das Wetter hält sich einigermaßen, der Himmel ist zwar inzwischen nicht mehr ganz so Blau, aber wir haben immer noch eine recht gute Sicht auf die umliegenden Vulkane und es regnet nicht 😉.


Aber kalt ist‘s…. Und hoch!



Bei der Kraxelei in luftiger Höhe kommen wir doch einigermaßen ins schnaufen. Wir Flachlandtiroler sind die dünne Luft hier oben halt nicht gewöhnt 🙈.





Also machen wir schön piano und gemütlich, genießen die Aussicht und fahren dann irgendwann wieder hinunter.

Den Rest des Tages verbringen wir im Centro Historico von Quito.




… das Uber lässt uns gleich an einer der wichtigsten Kirchen der Stadt raus.
Die Basílica del Voto Nacional oder Basílica Sagrado Corazón de Jésus, Patrono del Ecuador ist eine römisch-katholische Kirche am Rande des historischen Zentrums von Quito,. Sie ist die größte neugotische Basilika in Amerika.
Leider ist drinnen ziemlich viel abgesperrt, da die Kirche gerade saniert wird. Aber es ist dennoch ein imposantes Gebäude und damit ein schöner Einstieg ins Sightseeing.




Irgendwo in einem Innenhof stoßen wir zufällig auf dieses süße kleine Restaurant. Eigentlich ist das hier gar kein richtiges Restaurant, wie wir später herausfinden, sondern so eine Art Begegnungsstätte. Hat irgendwie auch etwas von einem Ashram. Alles ist total gechillt und es gibt ein vegetarisches Mittagsmenu, was super lecker und sensationell günstig ist.


Und dann geht’s auch schon wieder zurück ins AirBnB, der Himmel hat sich ziemlich zugezogen, es fängt an zu regnen. Klarer Fall für einen gemütlichen Ausklang im AirBnB und eine Mütze Schlaf! Morgen ist auch noch ein Tag!

… und der Tag hat’s in sich: wir wollen zur Mitte der Welt!
Quito liegt nämlich ganz in der Nähe des 0. Breitengradrs, dem Äquator,
Auch hierher geht’s mit dem Uber. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie ungemein praktisch ich diese Art der Fortbewegung finde? Zumindest in Ballungszentren, wenn einen eh das totale Verkehrschaos erwartet.
Die Mitte der Welt (Mitad del Mundo) ist eine der beliebtesten und unumgänglichsten Touristenattraktionen Ecuadors. Nirgendwo sonst auf der Welt ist es einfacher, die Äquatorlinie zu besuchen oder mit einem Fuß in jeder Hemisphäre eine kitschige Pose einzunehmen.
Na, das mit der offiziellen Äquatorüberquerung müssen wir im nächsten Jahr natürlich mit dem Beast machen. Aber vorab schon ein bisschen in das Thema eintauchen kann ja nicht schaden 😉.
Also geht’s heute zum Äquator…


Die Ciudad Mitad del Mundo ist ein Äquatormonument in San Antonio de Pichincha, etwas 23 Kilometer nördlich von Quito. Hier ist alles auf Touries ausgerichtet…


Fotopoints mit markantem gelbem Streifen, der die 0 -Linie markiert, Meerschwein am Spieß (das finde ich gar nicht lustig….), jede Menge Geschäfte und Cafés….



Und natürlich das Monument. Der 30 Meter hohe Monolith markiert die geografische Mitte der Erde. Das Denkmal wurde errichtet, um an die historische französische Geodätenexpedition von 1736 unter Charles Marie de La Condamine zu erinnern. Historische Messungenauigkeiten führten dazu, dass der echte Äquator laut modernen GPS-Messungen eigentlich etwa 240 Meter weiter nördlich verläuft… trotzdem rennen die meisten Touristen nur hier herum, um ihre Beweisfotos zu machen…






… so wie wir.
Aber die Anlage ist auch sehr nett gestaltet. Mittendrin der beeindruckende Turm. Im Inneren befindet sich ein schön gestaltetes Museum, und ist man erstmal die Treppenstufen hinaufgeklettert erwartet einen eine schöne Aussicht.




Wir machen eine kurze Mittagspause… Ich muss mich ein bisschen verschnaufen, denn mein Magen-Darm-Trakt spielt heute einigermaßen verrückt. Ständige Bauchkrämpfe trüben den Ausflug ein bisschen. André verspürt ein kleines Hüngerchen….

Die Suppe schmeckt… der Kaffee auch… und nach etwas Ruhe und Wasser hat sich mein Magen auch wieder etwas beruhigt.
Gestärkt machen wir uns auf den Weg zur echten Äquator-Linie…

Nicht weit vom Mitad del Mundo, nur 250 Meter nördlich liegt das Inti Nan Museum – Die „richtige“ Äquatorlinie. Mit modernsten Instrumenten und neuesten GPS-Daten wurde ein Messfehler entdeckt und nun hier auf der echten Äquatorlinie ein Museum gebaut.



Das viel kleinere und unbekanntere Museum an diesem Punkt wird fast familiär von Indigenos geleitet und gefällt uns richtig gut. Wir nehmen an einer englischsprachigen Führung teil und sind total begeistert.


Das Museum ist ein super liebevoll gestaltetes Freiluftmuseum.

Haben wir im Mitad del Mundo schon einen kleinen Einblick in die verschiedenen Geografischen Gebiete Ecuadors und deren Bewohner erhalten, geht es hier in erster Linie um die indigene Bevölkerung im Amazonasgebiet. Sehr interessant und aufschlussreich.










Höhepunkt bilden einige Experimente, die auf unterschiedliche Art und Weise die sogenannte Corioliskraft (siehe unten) veranschaulichen sollen.

Man kann beispielsweise versuchen ein Ei auf einem Nagel zu balancieren.
Hat aber bei uns nicht wirklich geklappt 🤣.



Mittels einer Wanne wird veranschaulicht wie sich die Abfließ-Richtung des Wassers ändert, wenn man auf verschiedenen Seiten der Äquator-Linie steht. Das war schon eher beeindruckend, weil es funktionierte.
Weitere solcher netten und aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht ganz ernst gemeinten Experimente stehen noch an und eh man sich versieht, sind auch schon zwei Stunden vergangen.



… und dann gibt’s auch noch das Foto auf der richtigen Äquatorlinie…

bzw. rechts und links davon. Einer steht auf der Nordhalbkugel, einer auf der Südhalbkugel…




Wir schließen diesen letzen Tag in Quito mit einem Besuch der Iglesia de la Compañía.

Was für eine Kirche! Mitten in der historischen Altstadt von Quito gelegen ist es ein ganz besonderes Erlebnis dort oben auf dem Dach zu stehen. Erinnert mich ein ganz bisschen an die Kirche mit dem weißen Dach von Leon in Nicaragua.





Allerdings hat diese Kirche kein weißes Dach sondern ein grünes. Unzählige Kacheln in unterschiedlichsten Grüntönen zieren die schönen Kuppeln und glitzern in der Sonne. Wunderschön!




Auch von hier haben wir eine sehr schöne Aussicht auf die um uns liegende Stadt.


Quito zeigt sich heute noch einmal von seiner besten Seite. Die Sonne strahlt, knallblauer Himmel mit vereinzelten Wolken…

Die meisten Menschen besuchen diese Kirche aber gar nicht wegen ihres besonderen Daches sondern wegen ihres Goldes:


Die Kirche und das gleichnamige Jesuitenkloster zählen zu den schönsten kolonialen Kirchengebäuden der Welt. Sie ist unglaublich aufwändig gestaltet, innen wie außen. Mit dem Bau wurde bereits 1605 begonnen.


Sie zählt zu den am reichsten ausgestatteten Kirchen Lateinamerikas, vielleicht sogar weltweit. Schätzungen ergeben, dass im Innenraum ca. 7 Tonnen Gold verbaut wurden.

… schon beeindruckend. So viel Gold. Als würde man mitten im riesigen Schatz von Smaug stehen.


Ich feiere vor allem die Kuppeln…





Draußen verwöhnt uns die Sonne noch ein bisschen und wir setzen uns am Plaza Grande in ein Café.




Lecker Eis und Kaffee, bevor es zu unserer Unterkunft zurück geht.


… noch einmal die Stufen raufklettern zu unserem Nest über den Dächern von Quito,

Spaghetti zum Abendessen und dann ab ins Bett…



… morgen geht’s wieder zurück in die Heimat.

