Schnorchelausflug zu den Los Túneles
Was war das für ein Tag!
Völlig erschöpft von dem Geschaukel an Bord des kleinen Bootes wanken wir an Land. Der ganze Körper klebt vom Salzwasser, die Haut gereizt von der Sonne aber ein breites Grinsen im Gesicht: Dieser Ausflug hat sich gelohnt!
Wir waren bei den Los Túneles auf Isla Isabela!
Los Túneles (auch Cabo Rosa genannt) auf der Insel Isabela sind eine atemberaubende Lavafelsformation im Meer, die zu den besten Schnorchel- und Ausflugszielen auf den Galápagosinseln gehört.


Es geht los im Hafen von Puerto Villamil.
Über einen kleinen Steg, der mal wieder komplett mit einem Seelöwenkindergarten belegt ist, geht es direkt zum kleinen Boot.



Nach etwa 45 Minuten ziemlich ruppiger Fahrt, das Boot ist mehr über die Wellen gehüpft als geglitten, erreichen wir einen vorgeladenen einsamen Felsen.

Umgeben von tosenden Wellen bietet er verschiedenen Vögeln einem Landeplatz mitten im Meer.



Wir umrunden ihn einmal und dann geht’s auch schon zum ersten Schnorchelspot.
Mit einem Plums lassen sich schnell hintereinander alle 12 Teilnehmer unserer Gruppe ins Wasser fallen und schwimmen hinter Alam, unserem Guide, hinterher.
Er führt uns zu Beginn zu einer Stelle, sehr dicht an den Mangroven. Dort soll man manchmal Seepferdchen sehen können. Heute allerdings nicht, die haben sich gut versteckt und haben wohl keine Lust auf Besuch…
Stattdessen sind wir auf einmal umringt von Meeresschildkröten!
Schon an Land war ich von diesen Giganten total fasziniert. Aber hier unten im Wasser ist das ein ganz besonderer Moment.



Mit einer absoluten Gelassenheit gehen sie hier unten am Meeresboden ihren Geschäften nach: Grasen bis der Arzt kommt.

Dann wieder ein bisschen schwimmen oder chillen in einer Felsnische.

Die sind von unserer Anwesenheit komplett unbeeindruckt. Im Gegenteil, man muss echt aufpassen, das man denen nicht im Weg herum schwimmt.

Mein persönliches Tageshighlight ist mein Zusammenstoß mit einer dieser Giganten:
Als wir schon auf dem Rückweg zum Boot waren, war ich mir eigentlich sicher, die letzte unsere Gruppe zu sein. Wir kamen gerade aus sehr seichtem Mangrovengebiet, wo man immer schauen musste, dass man mit dem Bauch nicht aus versehen an einem Felsen hängenbleibt.
Ich versuchte also an der Gruppe dranzubleiben, immer die Flossen der vor mir schwimmenden Person im Blick, als mich plötzlich von hinten jemand am Bein regelrecht rammte.
Leicht panisch drehte ich mich um, weil ich dachte, dass da vielleicht ein Fels ist, oder doch noch einer aus unserer Gruppe?
… und da schwamm diese riesige Meeresschildkröte direkt in mich rein!
Die war glaube ich genauso geschockt wie ich, dass da plötzlich was im Weg ist.
Ich machte mich ganz schnell klein, damit sie sich nicht wehtut und bekam dabei ihren fetten Panzer an die Knie.
Die Schildkröte drehte sich ein wenig, wir guckten uns an, Ich schwamm zur Seite und dann schwamm sie noch ein bisschen neben mir her, bis die dann nach unten abtauchte und mich völlig verdattert zurückließ.

Die Felsen beherbergen auch Riffhaie.
Um die zu sehen, muss man tiefer tauchen. An einer Stelle wird unser Guide fündig und erklärt uns, wie wir sie sehen können: einmal tief Luft holen und dann runter!

Unten in einer Höhle ist eine ganze Masse der Tiere…
Er „hilft“ uns, indem er uns runterdrückt. Denn man muss schnell runter damit einem die Puste nicht ausgeht.
Puh, das ist echt nichts für mich! Ich spüre, wie ich runtergedrückt werde, schwimme ein paar Züge nach unten und bin plötzlich in der Höhle. Über mir die Höhlendecke, in einiger Entfernung vor mir die Haie.
Ich merke, wie Panik in mir aufsteigt. Ist es die Enge? Die Haie? Auf jeden Fall bekomme ich keine Luft mehr und muss hoch! Ich zappel mich aus dem Griff des Guides und bin wieder oben…
Reicht! Genug Hai gesehen! Für solche Experimente bin ich dann doch eher fürs Tauchen mit Sauerstoffgerät…



Richtig süß waren auch die Pinguine.
Die saßen auf den Felsen in der Sonne oder standen herum und gucken in der Gegend herum.
Der Galápagos-Pinguin ist die einzige Pinguinart, die in den Tropen und nördlich des Äquators lebt. Er ist sehr klein und stark gefährdet.
Er gehört zu den seltensten Pinguinen der Welt. Das Wetterphänomen El Niño erwärmt das Wasser, wodurch seine Nahrung knapp wird. Auch in diesem Jahr ist wieder ein El Niño Jahr. Die Auswirkungen wird man wahrscheinlich erst im nächsten Januar und Februar sehen wenn viele schwache und junge Tiere verenden.

Diese Pinguin-Kolonie haben wir erst bei unserem zweiten Schnorchelspot entdeckt.

Viel weiter draußen im offenen Meer ankerte das Boot in der Nähe einiger Felsformationen.


Dort waren vor allem Vögel zu Hause.
Die besagten Pinguine, die den Fels regelrecht bevölkerten und von unserer Anwesenheit mal wieder komplett unbeeindruckt waren,

… sowie ein paar Blaufußtölpel. Von denen sollten wir aber später an Land noch mehr sehen.
… wer hier auch „wohnt“ ist dieser süße Kandidat: der Galápagos-Seebär.
In einer Nische oberhalb des Wassers sitzt der kleine Bursche zusammen mit seinen Kumpels und chillt.

Auf den ersten Blick glaubt man einen kleinen Babyseelöwen vor sich zu haben. Wären da nicht die verräterischen Ohren.

Der Galápagos-Seebär (auch Galápagos-Pelzrobbe genannt), ist deutlich kleiner als der Seelöwe, der überall am Strand und im Hafen herumliegt. Er gehört zu den Ohrenrobben…


Zum Abschluss des zweiten Schnorchelgangs können unerschrockene noch durch einen Felstunnel unter Wasser tauchen.
Nach meinem klaustrophobischen Erlebnis bei den Haien fällt das für mich definitiv aus. Außerdem kämpfe ich auch gerade mit meiner Maske, denn nach dem letzten Pinguin-Foto kommt ständig Wasser rein und meine Augen brennen wie die Hölle.
Aber André ist natürlich mit dabei und weil er den Anfang macht taucht er gleich zweimal. Beim ersten Versuch war Alam mit der Kamera noch nicht ganz ready und bekam nur noch Andrés Popo vor die Linse.

Beim zweiten Versuch klappte dann alles tipptopp 👍🏻.
Dann sitzen wir wieder alle im Boot, klatschnass…

… die Wechselklamotten auch. Die haben nämlich unterwegs irgendwie nen ordentlichen Schuss Wasser abbekommen. Hervorragend!

Es geht zum Ankerplatz bei den Túneles.



Hier können wir uns umziehen, werden Mittag essen und anschließend einen kleinen Land-Spaziergang machen.


Der Kapitän steuert das Boot durch eine bizarre Landschaft aus Lava, Wasser und Kakteen.



Endlich geht es an Land und wir gehen auf Booby-Excursion.

Lange suchen muss man nicht. Die Lavafelsen sind voll davon. Überall steht einer dieser lustigen Vögel herum.
Es ist Paarungszeit für die blaufüßigen Vögel. Das bedeutet, dass gerade besonders viele Tiere vor Ort sind, um ihre Nester zu bauen.



Die Männchen zeigen ihre Füße stolz bei einem Tanz vor den Weibchen.
Weibliche Vögel finden helle, blaue Füße toll. Sie wissen dadurch, dass das Männchen gesund ist, viel Fisch fangen kann und gute Gene hat.


Die Blue Footed Boobies, Blaufußtölpel, ist ein tropischer Meeresvogel aus der Gattung Sula innerhalb der Familie der Tölpel. Seinen Namen verdankt er seinen blauen Füßen und seiner scheinbaren Ungeschicklichkeit. Ungeschickt ist er allerdings gar nicht. Im Gegenteil, Blaufußtölpel sind gewandte Flieger und Taucher beim Beutefang.

Wir klettern über die bizarren Lavaformationen.
Ein Mekka für Fotografen. Mit jedem Schritt eröffnet sich ein neues Fotomotiv. Ich kann mich an dieser Landschaft nicht satt sehen.

Eine Hauch von Endzeitstimmung durch die schwarzen kargen Lavafelsen mit den säulenartigen Kakteen… und dennoch so viel Leben, in jeden Winkel in den man blickt: Fische, Krabben, Vögel…

Alam erklärt uns, wie die Boobies ihre Nester bauen…

Naja, ein wirkliches Nest kann ich nicht erkennen. Da sind seltsame weiße Linien auf dem Felsen zu sehen. Das ist irgendwie Kot, mit dem die Boobies ihren Nistplatz kennzeichnen. Die brüten einfach auf dem nackten Fels, scharren maximal eine kleine Mulde…




Irgendwann lassen wir die besondere Landschaft und ihre lustigen Bewohnern hinter uns und kehren zum Boot zurück.











Bei der Ausfahrt aus der Bucht wird es noch einmal spannend… und nass.
Der Kapitän steuert mitten in die echt krassen Wellen, die sich hier an dem Riff brechen.
Er muss genau abpassen, wann der richtige Moment ist, um mit Vollgas durch die Wellen zu fahren.
Vorher dümpeln wir wie eine Nussschale in den Wellen herum…
Am späten Nachmittag erreichen wir wieder den Hafen.

Wir klettern von Bord. Das Empfangskomitee, bestehend aus sich kabbelnden Seelöwen, erwartet uns schon.


Wie gesagt: völlig erschöpft von der Sonne und dem Salzwasser, klebrige Haus, wirres Haar… aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht…


Jetzt wird erstmal geduscht und danach gibt’s zur Belohnung nen Burger und Bier…


Ein Gedanke zu „Seaturtles, Haie, Pinguine & Blue Footed Boobies“
Tolle Bilder…. sehr beeindruckend und sehr sehr mutig unter Wasser !!