Cañon del Pato: Traumstraße mit Tunneln

Wow! Was für eine geile Motorradstrecke. Wir sind auf dem Cañon del Pato unterwegs, der Entenschlucht. Wenn nur die Straßenverhältnisse nicht so schrecklich wären, wäre das eine echte Traumstraße!

Wir machen uns direkt um 8 Uhr auf den Weg… ohne Frühstück. Im Hotel gibt’s außer Kekse nix zu kaufen, auch keinen Kaffee 🙄 und auch im gesamten Ort ist nichts, was danach aussieht, dass man etwas zum Frühstücken bekommt. Selbst die Supermärkte sind alle verrammelt.

Wobei, hier in Peru muss man echt aufpassen. Nur weil ein Laden vergittert ist, heißt das nicht, dass er geschlossen ist. Hier sitzen alle hinter Gittern. Wenn zusätzlich die Türe zu ist, dann ist geschlossen… naja und das ist hier der Fall. Keine Ahnung, wann die an nem Montag aufmachen…

Also nächster Ort: Santa. Hier ein ähnliches Bild. Wir finden schließlich etwas, wo tatsächlich auch Leute sitzen und essen.

Ich steige vom Motorrad ab, frage, ob sie Kaffee haben. Jap! Mehr wollen wir ja gar nicht. Nen Brot und Ei wäre natürlich auch noch schön, aber schon der totale Luxus… hier frühstücken alle schon am Morgen Suppe und Fleisch. Sorry, das macht mein angeschlagener Magen nicht mit…

Als wir uns setzen knallt es plötzlich ohrenbetäubend.

Was ist das jetzt? Spielen die da am Gas herum oder was?

Ich frage, wo der Lärm herkam und die Kellnerin kichert nur und erklärt, dass sie in der Küche die Steckdose oder den Lichtschalter reparieren, irgendwas mit der Elektrik halt (habe ich nicht ganz verstanden). Na prima! Schon mal was davon gehört, dass man den Strom abstellt, wenn man an der Elektrik herumbastelt?!

Als wir nach Frühstück mit Brot fragen erklärt sie, dass sie uns Ei und Brot machen kann. Gut. Bestellt.

Sie bringt uns den Kaffee… mal wieder Wasser mit Nescafé.

Bäm! Wieder ein Knall! 💥

Ich glaube es einfach nicht, verschütte fast den Kaffee.

Als das Ei und Brot kommt knallt es wieder so laut, dass uns die Ohren sausen. Die haben sie doch echt nicht mehr alle hier. Die anderen Gäste halten sich auch schon die Ohren zu und diskutieren.

Aber die Kellnerin lacht nur dümmlich und der „Elektriker“ macht in aller Seelenruhe weiter.

Bekloppt! Gleich fliegt uns noch die ganze Bude um die Ohren…

André ist der Appetit vergangen. Ich schiebe mir lustlos das Ei rein und nötige ihn, wenigstens das Brot zu essen. Knall und bekloppte Leute hin oder her, es muss ja was in den Magen bevor wir in die Berge fahren.

… und dann treten wir die Flucht nach vorne an. Die können sich da gerne alleine in die Luft jagen!

Also rauf aufs Motorrad und los.

Wir sind runter von der Panamericana, aber der Eindruck von Peru wird erstmal nicht besser.

Die Straße ist in einem derart katastrophalen Zustand, dass man es kaum ausdrücken kann.

Was die Infrastruktur angeht haben die hier aber einiges verpennt.

Schlaglöcher kann man das nicht mehr nennen, denn die Straße besteht eigentlich nur aus einem Gitter aus Aspahltresten und rechts und links dessen geht es gleich mindestens 20 Zentimeter tief runter. Wenn keine Schlaglöcher mehr da sind, dann gibt’s ausgewaschene Erde oder Schotter, wobei das fast besser zu fahren ist.

Ich versuche möglichst mit André zu verschmelzen, damit er beim Ausbalancieren nicht noch durch meine Anwesenheit hinten auf dem Motorrad gestört wird und habe Hochachtung vor dem, was er da mit unserer überladenen BMW veranstaltet. Es ist wie Seiltanzen mit dem Motorrad, eine akrobatische Höchstleistung.

… und das jetzt 170 Kilometer lang? Na Prost Mahlzeit!

… und die Behausungen der Menschen hier? Auch nicht wirklich besser als an der Panamericana. Diese teils verlassen aussehenden, ruinenhaften Gebäude stehen auch hier herum. Das scheint die Art zu sein, in der hier gewohnt wird. Extrem ärmlich und unterentwickelt. Das hätten wir von Peru nicht erwartet. Beim Ranking des Lebensstandart der lateinamerikanischen Staaten liegt Peru im oberen Mittelfeld, vor Kolumbien, México und Ecuador. Puh! Das erscheint uns aber ehrlich gesagt anders…

Naja, zurück zur Strecke…

Der zweite Versuch etwas Nahrung aufzunehmen, klappt besser. Keine Experimente mit Stromleitungen stattdessen, Kaffee, Brot, Spiegelei. Wir essen in einem ziemlich großen Restaurant direkt an der Straße. Hier halten auch die Busse und machen eine Esspause. Spezialität ist hier causa aller Art, irgendwie kaltes Kartoffelpü mit was anderem geschichtet… wir bleiben bei unserer Spiegelei-Diät.

Während wir da sitzen liebäugele ich mit den Orangen und Bananen am Obststand nebenan. Wir könnten ja noch ein bisschen was mitnehmen für den Weg. Restaurants wird’s auf der Strecke durch den Pato Canyon wohl kaum geben.

Ich hab’s kaum ausgesprochen, da kommt die Lady in pink mit einem riesigen dreckigen Eimer und schüttet eine uringelbe Flüssigkeit an das Obst.

🤮 Bähhh! Aus der Traum vom Obst…

Es wird langsam landschaftlich interessanter.

Wir fahren durch das Callejón de Huaylas, immer schön im Tal des Rio Santa entlang, der allerdings gerade nicht viel Wasser führt. Das Flussbett ist größtenteils mehr oder weniger trocken.

Links und rechts erheben sich die Berge der Cordillera Blanca und Cordillera Negra.

Dort wollen wir hoch.

Richtung N3 und einer der wohl spektakulären Straßen, die Peru zu bieten hat.

Zum Cañon del Pato.

Mit der Zeit wird die Straße, zumindest streckenweise ein bisschen besser. Die geteerten Abschnitte sind manchmal sogar für ein paar hundert Meter schlaglochfrei 🤣. Könnte daran liegen, dass desto weiter wir hoch desto weniger Landwirtschaft betrieben wird.

Irgendwann wird die Schlucht enger und wir erreichen den ersten der berühmten Tunnel.

Ja diese Tunnel.

Die sind es, die die Strecke so abenteuerlich macht. Meist geht es auf einspuriger Piste steil am Berghang entlang. Natürlich ohne Absicherung durch Leitplanken oder so.

… und dann fährst du plötzlich durch diese stockdunklen, in den Fels geschlagenen Tunnel. Nicht einen, Dutzende!

Mindestens 35 sind es. Es kommt ein bisschen darauf an, wie man sie zählt.

Einige sind ewig lang und gehen zudem noch um die Kurve, andere schön gerade, so dass man das Ende weit hinten leuchten sieht.

Wieder andere sind durch Felslücken unterbrochen, durch die Licht einfällt.

Ich wollte erst zählen, hab’s dann aber doch vergessen…

Das Durchfahren lenkt einfach viel zu sehr ab, insbesondere, wenn ich man damit rechnet, dass von vorne ein LKW oder Bus kommt 🙈.

Vor und in den Tunneln ist Hupen absolute Pflicht, um Gegenverkehr auf der schmalen Strecke zu warnen.

… und es hilft die Strecke im Vorraus zu beobachten. Oft kann man den Ausgang des Tunnels auf der anderen Seite sehen und somit auch schauen, ob von dort einer reinfährt.

Naja, wir kämpfen uns durch die wunderschöne, spektakuläre Landschaft und die spooky Tunnel durch.

Anstrengend aber traumhaft schön. Wenn die sich hier die Mühe machen, würden einen ordentlichen Straßenbelag zu machen, wäre das eine absolute Traumstraße…

Die Mittagspause fällt mangels ansprechender Möglichkeiten aus. Stattdessen machen wir an passender Stelle eine Trinkpause und essen einen der Notfallmandelriegel vom DM…

Gut, dass wir die Dinger dabei haben. Gibt genug Energie für den Rest der Strecke…

Bei traumhaftem Reisewetter fahren wir weiter durch den Canyon und schrauben uns immer weiter in die Höhe.

Das Garmin zeigt inzwischen knapp 1500 m an und wir sind noch lange nicht oben.

… etwas über 1700 m und weiter geht’s in die nächsten Tunnel. Jetzt säumt sich einer an den nächsten…

Wir überqueren einmal wieder den Rio Santa und fahren auf der gegenüberliegenden Seite weiter.

Jetzt geht es nochmals richtig nach oben.

… und wieder: wie schade, dass hier kein vernünftiger Straßenbelag drauf ist. Was wären das für tolle Kurven!

So eiern wir leider eher langsam und zögerlich den Berg hinauf. Zu dem Schotter gesellt sich hier noch Sand… eine böse Mischung.

Oben geht’s seid einer gefühlten Ewigkeit mal wieder durch eine kleine Ortschaft.

Die Trasse verläuft teilweise auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke direkt am Abgrund entlang des Flusses.

Außerdem befindet sich in der Schlucht das wichtige Wasserkraftwerk Central Hidroeléctrica Cañón del Pato

… vorbei an dem Wasserkraftwerk geht es noch einmal richtig steil bergauf.

Bis auf 2250 Meter geht es immer weiter nach oben.

Wir erreichen schließlich Caraz und das IntiRumi Inn.

Ein großes eisernes Tor, dahinter erstreckt sich ein Paradies.

Die totale Ruhe, ein wunderschöner Garten und eine supernette Eigentümerin. Kelly ist ursprünglich aus den USA, Montana und sie hat hier inmitten der Berge ein wahres Paradies erschaffen.

… wir sind spontan schockverliebt in den Platz und beschließen statt zwei Nächten drei zu bleiben. Wir brauchen mal ein bisschen Ruhe und was schönes…

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