… und das Garmin spielt uns mal wieder einen Streich!
Wir sind auf dem Weg zur Laguna de Quilotoa und es läuft hervorragend.

André ist völlig begeistert vom Motorradfahren. Die neue Fahrwerkeinstellung ist eine wahre Wonne, als hätte er ein neues Motorrad unterm Hintern. Meine Güte, mit was für einer durchgenudelten Möhre waren wir da zuletzt unterwegs 🙈.

Jetzt erstmal raus aus der Stadt. Läuft eigentlich ganz gut, nur ein kleiner Stau, ansonsten haben wir die Rushhour gut abgepasst.

Wir fahren auf der Autopista, der Panamericana SUR durch die Anden.
Kurz vor Pujili sehen wir am Straßenrand einen wirklich gut besuchten Straßenimbiss. Aus großen Boxen schallt laute Musik, auf dem Grill brutzelt es und ein Typ mit Kochschürze hantiert mit dem Kochlöffel.

Das spricht uns an. Als wir unsere BMW parken sind wir top Gesprächsthema. So oft halten hier wohl keine extranjeros, schon mal gar nicht solche Riesen🙈.

Wir bestellen Almuerzo und bekommen ein Tagesgericht mit Hühnchen, Reis und einem sehr leckeren curryartigem Gericht, dazu Ananassaft und das ganze für schlappe 5$!



Die Atmosphäre ist einfach toll. Der Laden läuft. Der Koch rennt geschäftig von Tischchen zu Tischchen und schleppt die Speisen heran.

Wir sitzen mitten unter den Einheimischen auf und genießen das Essen.

Als wir fertig sind und unsere Sachen packen, kommt ein kleiner Junge und greift immer nach meinem Helm. Ich gebe ihn ihm und er hält in stolz. Ich zeige auf das Motorrad und frage, ob er es mal anschauen möchte. Er kommt hinter mir her.
Da steht er nun staunend vor unserem Beast der kleine Knirps.
André zeigt auf die Sitzbank, ob er mal drauf möchte. Ein unsicherer Blick zu seinem Papa beim Imbiss, der nickt und zückt sein Handy.

Ich schnappe mir das Fliegengewicht und schon sitzt er stolz auf unserem Motorrad.
Es ist immer das gleiche, die kleinen Kinder sind von unserem Beast schwer begeistert.
Wir fahren weiter. Jetzt geht’s von der Autopista runter. In schönen Kurven gehts hinauf. Das Garmin zeigt inzwischen knapp 3600m.

Aber es geht noch höher rauf. Wenn das so weitergeht sind wir irgendwann in den Wolken.

Es ist wunderschön hier oben, karge Landschaft, gefühlt keine Menschenseele. Nur hin und wieder steht da völlig aus dem Nichts ein Typ mit Poncho am Straßenrand oder eine Kuh oder ein Schaf.

… und Hunde!
Massenweise Hunde liegen oder sitzen hier am Straßenrand herum.


Das Garmin zeigt inzwischen mehr als 3700m an und es geht ein fieser, eisiger Wind.
Wir wissen nicht genau wann das Garmin für uns beschlossen hat einen anderen Weg zu fahren als André heute Morgen geplant hat, ich vermute aber hier:

Auf jeden Fall müssen wir irgendwo unbemerkt durch unser Navi von der eigentlich geplanten Route umgeleitet worden sein.

Wir hatten nämlich geplant, den einfachen Weg zu fahren, mit möglichst wenig Gravel. Die andere, vermeintlich schönere Strecke, die Google Maps vorschlägt wollen wir meiden. Laut Recherche soll dieser Weg nämlich ziemlich viel unbefestigt sein und da nützen einem die schönen Kurven auch Nix . Im Gegenteil, mit unserem Schlachtschiff von Motorrad kann das je nach Bodenzustand ganz schön in die Hose gehen, bzw. auf den Boden, wie wir ja im letzten Jahr in Kolumbien erfahren durften 🙈.


Naja, so viel zur Theorie. Das da irgendwas nicht stimmt haben wir allerdings erst hier gemerkt, als uns das Navi eine Geröllpiste ins Tal hinunterführt.

Oh nein! Das kann ja wohl nicht sein Ernst sein!?
Schnell ein Check bei Google Maps.
Toll! Wir sind falsch!
Also nicht wirklich falsch, aber wir sind definitiv nicht auf dem leicht zu fahrenden Weg!
Wenn wir jetzt noch mal umdrehen brauchen wir nochmal mindestens eineinhalb Stunden. Auf direktem Weg da runter sind es 30 bis 45 Minuten!
Was jetzt?
Wir sprechen ein paar Einheimische an. Die Frauen sind gerade bei der Gartenarbeit. Bei Nachfrage, ob der Weg wirklich befahrbar ist, nicken die beiden. Wir fragen ob das der richtige Weg zur Shalala Lodge ist. Wieder nicken und die eine zeigt auf die gegenüberliegende Seite des Tales. Da oben ist die! Nur einmal hier runter und dann wieder rauf.

Na prima! Dann wollen wir mal! Wir lieben ja das Abenteuer…

Erstmal macht der Weg echt einen ganz gut fahrbaren Eindruck. Geröll halt und zeitweise ziemlich steil, aber die BMW kämpft sich da gut durch.

Aber irgendwann wird die Straße zunehmend sandig und damit auch echt anspruchsvoll.

Landschaftlich ist es wunderschön. Hin und wieder fahren wir an kleinen Ansiedlungen vorbei, meist begleitet von dem heftigen Bellen der Hunde, die neben uns herlaufen.

Besonders spaßig ist das immer dann, wenn man eh schon damit beschäftigt ist irgendwie heile durch den Sand zu kommen. Dann kann man so ein kläffendes Bündel, das am Moped hochspringt richtig gut gebrauchen! Gut, dass unsere BMW so hoch ist.

Im Tal überqueren wir dann einen kleinen Fluss. Hier herrscht die totale Stille. Lediglich das plätschern des Wassers ist zu hören.




Doch dahinter geht es dann stetig wieder bergauf. Teilweise sehr steil und leider häufen sich jetzt auch die sandigen Stellen. Besonders in Kurven ist das haarig.
Unser voll beladenes Motorrad schlingert da teilweise schon ganz schön.
Irgendwann ist es so steil und sandig, dass ich absteige. Ab jetzt geht’s für mich zu Fuß weiter.
Ein Träumchen 🙄! Im Sand bergauf in 3700m Höhe mit Motorradklamotten. Da bleibt einem fast die Luft weg. Aber es sind wunderschöne Blumen am Wegesrand.


Oben wartet auf halber Strecke André. Jetzt sieht der Weg wieder weniger schlimm aus und ich kann wieder aufsteigen.
Es bleibt dennoch echt anspruchsvoll. Nur gut, dass hier kein anderer entlangfährt, wenn man jetzt noch auf Gegenverkehr achten müsste…
Irgendwann kommen wir wieder auf eine breitere Straße, immer noch Gravel aber wesentlich besser befahrbar.
Jetzt sind wir wohl wieder auf unserer Originalstrecke.
Bald kommt eine Abzweigung mit einem Schild zur Shalala-Lodge. Hier sind wir richtig.
Es geht noch einige Kilometer wieder etwas ruppiger weiter und dann sind wir da!
Shalala Lodge an der Laguna de Quilotoa.
An der Einfahrt zur Lodge stehen schon zwei Quichua. Das sind die Indigenen, die hier an der Laguna leben. Von ihnen wird auch die Lodge betrieben.
Einer der beiden kommt auf uns zu. Umberto, mit dem wir schon über WhatsApp Kontakt hatten. Er zeigt uns den Weg und sagt wir sollen gleich wenn wir ankommen rechts hoch fahren, da können wir das Motorrad abstellen.

Da steht es nun, in 3800 m Höhe. Hat sie brav gemacht, die alte Lady. Muss für so nen Motor auch anstrengend sein, uns geht hier auf jeden Fall ganz schön die Puste!

Die paar Meter, die wir unsere Klamotten zu unserer kleinen Cabana hochgeschleppt haben, haben wir auf jeden Fall ganz schön geschnauft!


Unsere Cabana ist ganz süß. Es die oberste am Hang und man hat einen schönen Blick auf die gesamte Lodge.
Die Shalala Lodge ist eine gemeinschaftlich geführte Unterkunft am Kraterrand der Quilotoa-Lagune in Ecuador. Sie wird von rund 65 lokalen Familien aus der Panzaleo-Gemeinschaft betrieben.

Den Tipp hatten wir von Hans (Finca Sommerwind) und die Lage ist wirklich fantastisch.
Die Lodge liegt direkt am Kraterrand in einer kleinen Senke.

Ein paar Minuten Fußweg über einen kleinen Weg erreicht man eine echt sehenswerte Aussichtsplattform.
Was für eine Aussicht auf die berühmte Lagune. Du hast das Gefühl direkt über dem Kratersee zu stehen.

Die Laguna de Quilotoa ist in Ecuador eines der bekannteste Kraterseen. Berühmt ist sie für das meist türkisfarbene Wasser. Je nach Sonneneinstrahlung leuchtet es in unterschiedlichen Farbschattierungen von Türkis.

Heute ist es eher ein sehr dunkler Farbton. Ruhig und gigantisch liegt der Kratersee vor uns. 800 Meter tief geht es da runter bis zum Boden des Sees. Kein Wunder, er ist ja vulkanischen Ursprungs.

Wir sind komplett alleine hier mit Umberto an der Plattform. Was für ein Luxus! Oben auf der anderen Seite des Sees, in Quilotoa, da ist mehr Trubel, aber hier bei Shalala ist es super ruhig.
Nach einer kleinen Besichtigungstour des Anwesens gehen wir zum Restaurant. Umbertos Frau hat dort für uns das Abendessen zubereitet. Vorweg gibt es eine Kartoffelsuppe mit Käse und Avocado. Eine interessante Kombination, sehr lecker. Danach dann das altbekannte Pollo mit Reis, Pommes und Salat. Bei allem fehlt uns für unseren Geschmack etwas Salz. Aber das ist ja kein Problem, man kann ja nachsalzen. Kann auch sein, dass das an der Höhe liegt, dass wir so einen Salzbedarf haben…


Nach dem Essen fallen wir wie Tote ins Bett. War doch ganz schön anstrengend alles!
Morgen geht’s nach Quilotoa, wir wollen eine kleine Wanderung am Kraterrand machen…
