LAT 0°0‘0‘‘… Äquator-Überquerung mit dem Beast

Heute werden wir mit dem Motorrad den Äquator überqueren. Ein großer Moment… danach sind wir nur noch auf der Südhalbkugel unterwegs…

… aber erstmal verabschieden wir uns von der Finca Sommerwind.

Die Sonne geht gerade über der Lagune auf und wir fangen an, unsere sieben Sachen zusammen zu packen.

Da ist heute echtes Packhörnchen-Know-how angesagt. Wie kriegen wir den ganzen Kram bloß unter, letztes Jahr war’s irgendwie nicht so viel… Die Krux ist, dass wir hier irgendwie von 30° bis 10° mit jedem Wetter rechnen müssen, deshalb ist so viel Zeug zusammengekommen.

Zudem muss ich heute schon so packen, dass wir später in Quito nur noch das Handgepäck für Galapagos mitnehmen. Der Rest bleibt bei Diego in der Werkstatt.

Aber als gutes Packhörnchen kriege ich das irgendwann hin… Klappe zu und fertig!

Inzwischen steht die Sonne höher und wir kehren unserer Cabana den Rücken zu, schwingen uns auf‘s KRad und rollen langsam den Berg hinunter…

Zum Café Sommerwind, ein letztes Mal das leckere Frühstück genießen.

Schön war’s hier bei Hans und seinem Team.

Ganze 332 Tage hat unsere BMW hier überwintert und Hans hat uns mit Rat und Tat beiseite gestanden… ein großes Dankeschön dafür 🙏.

Jetzt geht unsere eigentliche Reise Richtung Süden weiter. Erstens Etappenziel ist heute die Quitsato Solar Clock in Cayambe.

Dort wollen wir mit unserem Beast die Äquatortaufe vollziehen.

Endziel ist die Werkstatt von Race Tech Ecuador in Quito, denn die BMW muss vor der Weiterreise durch die Anden ein bisschen aufgepäppelt werden: Bremsbeläge, Stoßdämpfer und das leidige ABS-Modul, welches wir im Flieger mitgeschleppt haben.

Aber erstmal fahren wir kurz hinter Ibarra in einen Stau… na das geht ja gut los!

Ein Unfall, irgendwie stehen da mehrere mit Gasflaschen beladene LKW etwas windschief auf der Straße herum und werden von der Polizei inspiziert.

Zum Glück sind wir einigermaßen schnell vorbei.

Danach geht’s auf die Autobahn, die obligatorischen 20 Cent bezahlen und Vollgas! Die Straße ist frei und gut ausgebaut.

Lediglich wenn es durch die Ortschaften geht ist es immer etwas mühsam, da sich dann der Verkehr knubbelt. Aber es hält sich noch in Grenzen.

Wir fahren über Otavalo nach Cayambe.

Kurz dahinter liegt die Quitsato Solar Clock Museo Solar.

„La Verdadera Mitad del Mundo“, die wahre Nullinie des Äquators.

Dieses Äquatormuseum ist deutlich jünger als das berühmte Mitad del mundo in der Nähe von Quito und kann von sich behaupten, wirklich auf der Nulllinie zu stehen (genau wie das kleine Intiñan Equator Museum, in dem wir im vergangenen Jahr wahren), da es viel genauer vermessen wurde. Trotzdem rennen alle immer nur zum Mitad del mundo mit seinem ganzen Touri-Rummel…

Schade eigentlich, denn dieses Museum hier in Cayambe ist wirklich schön gemacht und total sehenswert und interessant.

Wir sind fast alleine, als wir ankommen. Lediglich zwei Autos stehen auf dem Parkplatz. Prima, dann kann ich die Leute dort vielleicht überreden für unser Beast das Gatter aufzumachen. Denn eins ist ja klar: Die eigentliche Trophäe wäre ein Foto mit der BMW auf dem Äquator 😬.

Die Leute hier sind supernett, sprechen alle perfekt Englisch und weisen uns ein: 5 $ Eintritt pro Person und man bekommt eine persönliche Führung. Wir können unsere Motorradklamotten bei der netten Dame am Empfang lassen und los geht’s!

Kleine Anekdote am Rande: Auf den Toiletten (die super süß gestaltet und picobello sauber sind) gibt es drei! verschiedene Höhen für die Waschbecken. Zwei Höhen, das kennt man ja: einmal für Kinder und einmal für Erwachsene… Aber drei? Witzig! Insbesondere, als mir André später erzählt, dass es auf der Herrentoilette ebenfalls drei Höhen für die Pissoare gibt… interessant 😉.

Aber das nur am Rande…

Wir beginnen unsere Tour mit dem Tourguide und er erklärt uns sehr ausführlich die geschichtlichen Hintergründe des derzeitigen Standortes des Museums. Erstaunlich, dass sich die Menschen hier schon vor der Inkazeit indirekt mit dem Äquator beschäftigt haben indem sie die Sterne und die Sonne beobachteten. Sie wussten schon damals, dass dieser Ort besonders ist, wie archäologische Funde zeigen.

Das man den Äquator hier in Ecuador schon so früh so gut ermitteln konnte ist im übrigen der Geographie geschuldet. Durch die Berge war es überhaupt möglich ohne GPS entsprechende Messungen durchzuführen. Überall sonst ist es am Äquator eher flach und Dschungel.

Besonders beeindruckend fand ich das Modell vom Stand der Sonne zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten an den unterschiedlichsten Orten der Erde.

Dies ganze „die Erde dreht sich um sich selbst und um die Sonne“-Thema hat man zwar seid dem frühen Erdkundeunterricht in Klasse 5,6 oder 7 schon durchgekaut… und mehr oder weniger schlecht verstanden: Am Ende hat sich einem immer alles im Kopf gedreht (kann auch am Alter liegen …scheiß Pubertät 🤣🙈) .

… dieses Modell erklärt es echt sehr eindrücklich… wäre vielleicht auch was für die Schule 😉.

Aber genug von der Theorie. Wir schnappen uns schließlich unser Garmin und machen den Test: Werden wir wirklich 0°0‘0“ angezeigt bekommen?

Ha! Hat geklappt! Mega, wir stehen tatsächlich direkt auf der Nulllinie, direkt auf dem Äquator!

Jetzt fehlt eigentlich nur noch… das Beast!

Ich frage vorsichtig nach, ist doch gerade nichts los, ob er uns für unser Moped das Gatter aufmachen könnte.

Die Antwort kommt prompt: Klar geht das, sie würden dafür aber eine Extragebühr, also Eintritt für das Motorrad nehmen. Na, die 5$ ist das Foto ja allemal wert…

… und so stapft André los und fährt mit dem Beast direkt auf die Äquatorlinie.

Mega!

Wir können uns an diesem Anblick gar nicht sattsehen. Wieviel Glück muss man eigentlich haben? Außer uns ist hier keiner!

Einsam steht unser Beast da unten auf dem Äquator, mitten in der Sonnenuhr und wir erkunden in aller Ruhe den Rest des Museums. Krass!

Das Museum hat nämlich noch mehr zu bieten. Nebenan ist ein hübsch gestalteter Kakteen-und Agavengarten.

Irre, wie viele verschiedene Arten es da gibt.

… und wie riesig die werden, wenn sie die richtigen Bedingungen vorfinden und man sie einfach wachsen lässt…

Wenn ich da an die mickrigen Exemplare in meinem Arbeitszimmer denke wird mir ganz anders… hab irgendwie selbst beim Kaktus keinen grünen Daumen. Für den ist bei uns André zuständig…

Wir beenden schließlich unsere Kakteen-Tour steigen wieder auf unser Motorrad und fahren weiter.

Ein ganz großes Lob an die Organisation dieses Museums!

Es hat uns ausgesprochen gut gefallen, ähnlich wie das Intiñan in Quito. Wirklich toll, dass es solche privaten Initiativen gibt, die mit so viel Liebe und Hingabe zum Detail Wissen vermitteln!

Kurz hinter dem Museum lacht uns ein Restaurant an.

Wir halten an und machen erst mal Mittagspause. Der Magen verkündet Hunger und bis Quito ist es nicht mehr weit.

Wir können es ruhig angehen lassen. Diego vom RaceTech erwartet und nicht vor 16 Uhr…

War eine ausgesprochen gute Idee! Das Restaurant ist gemütlich, das Essen sehr lecker… nur die Musik im Hintergrund auf Dauer gewöhnungsbedürftig🤣. Naja, man kann nicht alles haben…

Nach einer ausgiebigen Pause inklusive Kaffee fahren wir weiter.

Bis Quito geht’s gut vorwärts, je näher wir der Stadt kommen, desto voller werden die Straßen…

… und in Quito selbst ist mal wieder die Hölle los.

Kurz vor vier ist natürlich Rush-Hour… wobei, wahrscheinlich ist das hier immer so 🙈.

Aus den gefühlt 5 Spuren sind irgendwas zwischen 6 und 8 Spuren geworden. Von allen Seiten kommen die Fahrzeuge, Autos, Mofas, Motorräder, Busse, Fahrräder, Karren und wir mitten drin.

Es stinkt, es ist laut, es ist eng!

Ich hasse das und hab einen Mordsrespekt vor André, der uns da relativ gelassen durchnavigiert 🙈🙏.

Aber irgendwie kommen wir durch.

Andrés Kommentar: Das gute ist, dass wir so exotisch aussehen mit unserem schwer bepackten Monstermotorrad. Da übersieht einen keiner. Na dann!

Schließlich wird es ruhiger, dafür aber steiler. Die BMW quält sich den Berg hinauf. Wo Bitteschön hat den Diego seine Werkstatt?

Wir erreichen schließlich einen komplett eingezäunten und bewachten Gebäudekomplex, der eher nach Wohnhaus aussieht und so gar nicht nach Werkstatt.

Als wir uns so vor uns hin wundern und schon umdrehen wollen, kommen plötzlich zwei wild winkende Mechaniker um die Ecke gelaufen.

Wir sind also doch richtig!

Wie kriegen wir unser Koloss jetzt hinter den Zaun? Die beiden Mechaniker lotsen uns zu einem großen Seitentor. Von hier geht’s eigentlich in eine Tiefgarage. Für unsere BMW geht’s die Treppen hoch…

… und dann sind wir bei Diego im Schrauberparadies angekommen!

Eine kleine, aber sehr feine Werkstatt, mit allem was dazugehört.

Zap, zap wird die BMW geparkt und so schnell kann man gar nicht gucken, wie die beiden Mechaniker von Diego die BMW zerlegen.

Als ich aus dem Nebenraum herauskomme, wo wir unsere Sachen lassen können, steht das Motorrad schon ziemlich nackig da und die Herren fachsimpeln, was mit dem Stoßdämpfer ist.

Auf jeden Fall sind schon mal sämtliche Schrauben krumm wie ne Banane… wir sind wohl doch immer leicht überladen 🙈.

Während die Jungs von Diego weiter den Stoßdämpfer zerlegen, zeigt dieser uns seine Honda-Sammlung:

Da stehen sie ja, die Schätzchen: eine AfricaTwin Modell RD07! Diego fährt tatsächlich das gleiche Modell, das wir zuhause in Deutschland auch fahren… nur in schwarz 😉

… und in der Ecke sogar eine alte XR 600, das Moped fuhr André als wir uns kennenlernten.

Zurück in der Werkstatt ist schon etwas mehr Klarheit: Der Stoßdämpfer ist einigermaßen klotten, aber das wussten wir ja schon vorher. Gute Nachricht: Diego hat das passende Ersatzteil sogar zufällig da. Außerdem muss das Öl wohl mal gewechselt werden… das ist inzwischen schwarz 🙈.

Alles lösbar, sagt Diego. Er ist zuversichtlich, die Jungs machen einen guten Eindruck und am Samstag kommt ein auf BMW spezialisierter Mechaniker vorbei und kümmert sich um den Einbau des neuen ABS-Moduls.

Alles fein! André und Diego besprechen noch die Details.

Diego bietet uns an, auf dem Rückweg, wenn wir das Bike in einer Woche abholen bei ihm in der Werkstatt zu pennen. Voll nett! Er hat da ein richtig süßes Minizimmer, mit Bad und Küchenzeile… Da können wir dann direkt morgens wieder mit dem Motorrad los…

Jetzt geht’s aber erstmal mit dem Uber zu Pat. Der hat ein B&B etwa 5 km vom Flughafen entfernt. Perfekt um morgen früh ausgeschlafen in den Flieger zu steigen.

Denn morgen geht’s nach Galapagos!

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