Auf dem Weg nach Cuenca: Kurven, Schweine und ein bisschen Inka

Ganz schön kalt hier und das obwohl wir „nur“ auf etwa 3000m sind.

Wir sind in El Tambo gelandet, etwa 1 1/2 Fahrstunden bis Cuenca direkt an der E35.

Nach unserem kurzen Ausflug in die Welt der Eisenbahn-Verrückten ging es zunächst auf relativ gut befahrbarer Schotterpiste durch die Berge.

Eine landschaftlich sehr schöne Strecke mit so gut wie keinem Verkehr.

Das ändert sich schlagartig, als wir wieder auf die E35 kommen.

Hier fährt halt alles lang, weil es die Verbindungsstraße in den Anden ist. Auch hier ist es landschaftlich schön aber halt voller. Außerdem ist die Straße mit Schlaglöchern gespickt. Macht das Leben nicht einfacher.

Zu den Schlaglöchern kommt dann noch Nebel…

ist das überhaupt Nebel, wenn man durch die Wolken fährt?

Fakt ist, wir sehen NICHTS mehr…

keine Landschaft, keine Autos, keine Schlaglöcher… ist aber alles noch da und sorgt für die eine oder andere Überraschung…

… immerhin, die Tankstelle, die da plötzlich wie eine Fatamorgana aus der Nebelsuppe auftauchte, war eine sehr willkommene Überraschung. Auf die Frage, ob die oben in ihrem Lädchen auch was zu essen haben, schüttelt der Tankwart allerdings den Kopf. Nur Kaffee. Comida angeblich in 10 km.

Na da sind wir mal gespannt… so langsam hängt der Magen nämlich in den Knien!

… und dann fahren wir um eine Kurve, eine Anhöhe

und dahinter sind die Wolken weg!

Ha! Voll schön hier! Wie schön, wenn man wieder sehen kann 🥳!

Die 10 km sind allerdings schon lange rum, kein Comida in Sicht… vielleicht sind wir in dem Nebel tatsächlich daran vorbeigefahren?

Kurz vor El Tambo kommen wir durch einen Ort, wo es plötzlich sehr viel zu essen gibt…

… puh! Aber will man das?

Wir fahren die Straße entlang und überall hängen Schweine über so großen Schüsseln (zum ausbluten?)

Ich erinnere mich, dass Claus Otto aus Quito uns gegenüber erwähnt hatte, dass das hier in der Gegend eine Spezialität sei. Er fragte uns damals, ob wir Schwein essen. Wenn ja, sollten wir das probieren: chicharrón – genauer chicharrón de chancho.

Grundsätzlich esse ich ja Schwein… aber das hier?

Das ist echt Nix für schwache Nerven und Vegetarier darf man hier echt nicht sein…

Naja, wir haben Hunger und suchen erstmal ein Plätzchen für unser Motorrad.

Wir stehen noch nicht richtig da steht schon so‘n Mädel neben der BMW und hält uns ein Schälchen mit irgendwelchem frittierten Irgendwas vom Schwein vor die Nase.

Boah, das ist jetzt aber echt aufdringlich! Ich schüttle den Kopf. Kann man vielleicht erstmal absteigen?

Wir gehen einen Schweineladen weiter. Dort ist richtig was los. Mit drei Frauen stehen die da hinter diversen Töpfen und Pfannen. Die eine zerhackt wie irre Schweineteile, eine andere rührt in einer riesengroßen Pfanne mit brutzelnden Fett. Da schwimmen die Schweineteile drin herum.

Ohje, wo sind wir hier gelandet?

Immerhin kann man sich bei diesem Laden relativ schön hinsetzen… und die werden ja wohl auch noch was anderes haben oder?

Als wir einen Platz suchen, bekommen wir direkt auch so einen kleinen Teller mit dem Frittierten in die Hand gedrückt… geht aufs Haus!

Naja, dann schauen wir mal.

Vorsichtig inspiziert André das angebotene Essen. Diese Schweineteile schmecken erstaunlich gut. Aber was ist das?

Beim chicharrón werden Stücke vom Schwein, oft mit Schwarte und einem Anteil Fett, in einer großen Pfanne beziehungsweise einem Kessel im eigenen Fett knusprig ausgebacken. In der Gegend um Cuenca wird es häufig mit mote, Zwiebeln, Mais oder Kartoffeln serviert.

Ja, genau das liegt auf dem kleinen Tellerchen vor uns und schmeckt tatsächlich ganz gut…

Fett schmeckt halt 🙈.

Ich bin trotzdem sehr froh, dass wir dann doch ein ganz normales Almuerzo mit Huhn bestellen können und feiere die Kartoffelsuppe…

Danach ist es dann nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Ziel: Das Val Andino Hostal in El Tambo, direkt an der E35.

Dieses Hostal ist sensationell. Von der Einrichtung nicht ganz unser Style (so 90er Hochglanz-Schick) aber super sauber, erstaunlich ruhig (obwohl die viel befahrene E35 um die Ecke ist) und die Leute sind absolut nett und zuvorkommend. Das ganze kostet uns inklusive Frühstück nur 25$. Ein echter Schnapper, unser bisher günstigste Unterkunft (bei Booking.com stand das mit 15$ vor Steuern drin, wir dachten erst das wäre ein Witz…).

Der besondere Bonus: Wir können das Motorrad direkt unter unserem Hotelzimmer parken!

Zum Abendessen gab’s dann mangels Alternativen wieder einmal Lomo Fino, nicht ganz so gut wie in Baños aber dafür war das Gemüse dazu zum reinknien!

Am nächsten Morgen lassen die uns im Hostal erst weg, nachdem wir uns auf deren Karte verewigt haben.

Eine echt empfehlenswerte Unterkunft für die Durchreise!

Warum haben wir hier in El Tambo überhaupt eine Zwischenübernachtung eingelegt? Wir hätten auch bis Cuenca durchfahren können…

Aber wir wollen uns Ingapirca anschauen.

Ingapirca ist die bedeutendste und am besten erhaltene präkolumbianische Inka-Fundstätte in Ecuador. Der Name aus der Kichwa-Sprache bedeutet übersetzt „Inkamauer“. Die Anlage liegt etwa 20 Minuten Fahrzeit von unserem Hostal entfernt, in der Provinz Cañar auf einer Höhe von rund 3.160 Metern und vereint die Geschichte und Architektur des indigenen Volkes der Cañari und der später expandierenden Inka. 

Ursprünglich befand sich an diesem Ort eine wichtige Kultstätte des Cañari-Volkes, die den Ort Hatun Kañar („Groß-Cañar“) nannten.

Um das Jahr 1500 bauten die Inka unter Huayna Cápac den Komplex aus. Sie verbanden ihre eigene Bauweise mit bestehenden Strukturen der Cañari.

Unser Guide erklärt uns, dass man den Unterschied zwischen den Cañari und Inkabauten gut an den verwendeten Steinen erkennen kann: runde Steine sind aus der Cañari-Zeit, behauene Lavasteine aus der jüngeren Inka-Zeit.

Besuchen darf man die Stätte nur mit einem Guide, der durch das Gelände führt.

Beim Kauf des Tickets bekommt man eine Uhrzeit zugewiesen, zu der man am Eingang erscheinen soll.

Dieses Stück Weg ist ein Teil des berühmten Inka Trails der bis hinunter nach Peru führt.

Bei dieser Sammlung behauener Lavasteine handelt es sich um Rückgaben.

Bevor die Menschen wussten, was sie hier vor der Nase hatten, haben die Bauern aus den umliegenden Dörfern die Steine genommen, um damit ihre eigenen Häuser zu bauen. Erst später, als klar war, welche Bedeutung diese tollen Steine haben, hat man Aktionen gestartet, um diese wieder an den Fundort zurück zu bekommen.

Das Herzstück der Anlage ist der elliptische Sonnentempel

(Templo del Sol), der ohne Mörtel aus exakt behauenen Steinen errichtet wurde. Er diente vermutlich als religiöses Heiligtum und astronomisches Observatorium. Die fugenlose Steinsetztechnik ähnelt der berühmten Inka-Architektur in Cuzco (Peru). 

Insgesamt ein echt toller Zwischenstopp auf der Weiterfahrt nach Cuenca.

Allerdings mächtig kalt, denn hier oben weht einem ein ziemlicher Wind um die Ohren.

Gut, dass wir auf dem Moped den Helm haben 🤣!

Die Fahrt von Ingapirca nach Cuenca läuft entspannt.

Die meiste Zeit ist die Straße in gutem Zustand = wenig Schlaglöcher.

Naja, gibt auch Ausnahmen…

Kurz vor Cuenca wird‘s nochmal ganz schön voll auf der Straße, aber eigentlich logisch, wenn man die Uhrzeit bedenkt.

Auch mal ne spannende Art des Transports. Eselkarren, überladene Fahräder oder bis an den Rand vollgestopfte Lastwagen und Pickups, das haben wir alles schon gehabt… aber das hier noch nicht 🤪!

Wir erreichen Cuenca gegen 16 Uhr

und kommen erstaunlich gut und schnell zu unserem Airbnb in der historischen Altstadt durch.

Wir hatten schon im Vorfeld einen Parkplatz reserviert.

Ging zum Glück sehr unkompliziert. Der Parkplatz ist direkt im Hinterhof des Hauses in dem unser Airbnb ist.

Jetzt steht es da die nächsten 2 Tage sicher geparkt und wir freuen uns über unser Mini-Apartment direkt über den Dächern der Altstadt von Cuenca.

Gibt es einen schöneren Abschluss eines Reisetages als mit einer guten Flache Rotwein und selbst gemachter Guacamole?

… und mit der Aussicht?

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