Nach der Kälte oben in Quilotoa gönnen wir uns eine kleine Wellnesspause in Baños de Agua Santa.
Sonntag! Wir lassen es heute richtig ruhig angehen. Was passt besser zu einem Sonntag, als ein entspanntes Wellnessprogramm?
Besonders nach der echt unschönen Anreise gestern!
Morgens nach dem Frühstück sind wir von Shalala losgefahren. Nach einer echt gruseligen Nacht.
Ich hatte so gut wie kein Auge zugemacht. Mein Verdauungstrakt ist total im Arsch. Erst Durchfall, dann Verstopfung. Kennt man ja, aber so schlimm hatte ich es noch nie. Die ganze Nacht war ich auf Trapp und jetzt tut mir alles weh und ich bin total gerädert.
Keine guten Voraussetzungen für’s Motorradfahren, aber irgendwie müssen wir ja wieder runter vom Berg.
Also Zähne zusammenbeißen und durch.
Zunächst verlief die Fahrt gut, die Schmerzen hielten sich in Grenzen und landschaftlich gab Ecuador hier mal wieder alles!
Diesmal fahren wir den richtigen Weg, also keine Schotterpiste sondern schön kurvigen Asphalt.

Es ist arschkalt hier oben und wir sind froh, dass wir uns in die Corduraklamotten plus lange Unterwäsche gepellt haben.

Als wir vom Berg runter sind, wird’s wärmer. Wir können den Woolpower wieder ausziehen und es geht zurück auf die Panamericana.
Zwischenzeitlich waren wir noch bei der Apotheke und haben mich mit Medikamenten eingedeckt. Hoffentlich wirkt es.
Im Moment geht es mir beschissen, im wahrsten Sinne des Wortes 🙈.
Auf der Panamericana geht es einigermaßen flott vorwärts, aber extrem langweilig und die Streckenabschnitte durch Ortschaften sind anstrengend. Dort herrscht meiste Verkehrschaos, es stinkt und ist laut.

Baños empfängt uns dann mit Stau, etwas Nieselregen und Rummel.
Aber unser Hotel ist ruhig, wir haben einen schönen Stellplatz für das Beast und das Bett ist fantastisch.

Wir fallen ins Bett und schlafen wie die Toten.

Jetzt sieht alles anders aus!
Wir starten unseren Wellnesstag nach dem Frühstück mit einem Besuch eines der Thermalbäder.
Im Vorfeld hatten wir erst versucht uns in einem dieser Wellness-Tempel hier im Ort einzumieten, allerdings war das günstigste Angebot, das wir fanden, mit knapp 600$ für zwei Tage dann doch etwas pricy. Wir sind ja nicht Krösus!
Also haben wir uns im Hostal Monte Carmelo eingemietet. Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Wir zahlen für zwei Nächte inklusive Frühstück 71$.
Das Zimmer ist schön, sauber, bequemes Bett, das Frühstück lecker und wir bekommen von dem Rummel des Ortes nicht viel mit, da es ein bisschen abgelegen oberhalb des Zentrums liegt. Mit 10 bis 20 Minuten Fußweg in den Ort aber noch nah genug. Da kann man nicht meckern.
… und nun machen wir das Sonntagswellnessprogramm der Ecuadorianer hier mit.

Wir gehen in das Balneario El Salado, eines der öffentlichen Thermalbäder hier.
Zusammen mit gefühlt hundert Einheimischen!
Naja, ist halt Sonntag und entsprechend voll.
Da wir heute faul sind und ich immer noch nicht wirklich fit lassen wir uns für 2$ von einem Taxi bis kurz vor die Tür fahren.
Das Theramalerlebnis für Normalsterbliche ist mit 4$ pro Person plus 1$ für eine extrem dämlich aussehende Badekappe mehr als erschwinglich und ein echtes Erlebnis:
Als wir in den Eingansbereich des Bades kommen werden wir geradezu erschlagen von dem Gewusel, das hier los ist. Es braucht erst mal einen Moment, um zu verstehen, wie das hier funktioniert.
In einer Ecke stehen stapelweise blaue Plastikkörbe. Man schnappt sich so einen Korb und stellt sich vor eine der Umkleidekabinen, in der Hoffnung, dass sie möglichst schnell frei wird.

… und da stehen wir erstmal ziemlich blöd rum.
Strategischerweise haben wir uns jeweils vor einer der Kabinen aufgebaut. Erhöht die Chance…
Nach einer halben Ewigkeit geht die Tür bei André auf und zwei sehr hutzelige Alte kommen heraus.
André steht schon in den Startlöchern. Jetzt heißt es schnell sein, denn um die Kabinen haben sich inzwischen schon Menschentrauben gebildet.
Als André die Kabine betreten will, schiebt ihn der alte Mann weg „ocupado!“. Bitte was? Nicht sein Ernst! Wie selbstverständlich lassen die beiden älteren Herrschaften ihre Sachen in der Kabine und wollen diese nun abschließen.
Völlig fassungslos stehen wir da und verstehen nur Bahnhof!
Schließlich erklärt den beiden Alten eine Dame die auch wartet, dass das nicht geht. Sie zeigt auf die Körbe und erklärt, dass die beiden ihre Sachen da reinstecken und dann zu der bewachten Garderobe bringen müssen. Die Kabinen kann man nicht einfach blockieren.
Na die beiden scheinen ja aus einem ganz fernen Bergdorf zu kommen, so verpeilt wie die sind. Die haben ja noch weniger Durchblick als wir dummen gringos 🙈!
Endlich setzen sich die beiden in Gang. Mit der Höchstgeschwindigkeit einer Riesenschildkröte (und wir wissen ja jetzt wie langsam die sind) machen sie sich auf den Weg zu den blauen Körben.
Na das kann dauern!
In der Zwischenzeit geht die Tür vor meiner Nase auf.
Eine Familie kommt raus und wir rein.
Yes! Erste Hürde genommen!
Nach dem Umziehen bringen wir dann unser Körbchen zu den „Schließfächern“.
Das ist in diesem Fall ein extra Raum, komplett mit nummerierten Regalen vollgestellt. Der Eingang des Raumes ist durch einen Tisch blockiert, dahinter steht ein Mann in Sicherheitsuniform.
Hier gibt man das Körbchen ab und erhält ein Armbändchen mit Nummer.
So, das hätten wir dann auch geschafft, wir sind unsere Klamotten los!
Na dann mal rein ins Vergnügen!
Aber bevor wir ins Becken gehen, wird geduscht. Mit trockenen Badesachen kommt hier keiner rein, da sind sie ganz strenge hier 😉.
Die Duschen sind auch spannend: Linke Seite rappelvoll, da kommt nämlich warmes Wasser aus der Leitung, rechts leer … kaltes Wasser, naja ein Rinnsal. Wie man da seinen kompletten Körper nassmachen soll ist mir einigermaßen schleierhaft. Geht aber, dauert halt etwas.
So und dann geht’s rein ins Becken.

Das Balneario El Salado ist ein Natur-Thermalbad. Es liegt direkt neben dem kleinen Fluss Rio Bascun, in den man zur Abkühlung auch hinein steigen kann.

Hier gibt es verschieden heiße Schwefelbecken und ein paar kalte Becken zum Abkühlen. Ratet mal in welchem Becken am wenigsten los ist!?

Genau… im kalten! Da waren wir allein drin.
Die warmen sind natürlich voller. Man kann an der Fülle des Beckens ganz gut ablesen, wie warm das Wasser ist.
Nachdem wir zuerst in einem der weniger vollen Becken waren, geht es jetzt mal in das vermeintliche wärmste.
Hier saßen sie eben nämlich drin wie die Ölsardinen. Jetzt gerade ist ein bisschen mehr Platz.
Hui, das ist wirklich sehr warm und man muss echt aufpassen wo man hintritt. Der Boden ist teilweise echt glitschig.
… der Boden fühlt sich an wie der nackte Fels des Berges.
Wir bahnen uns unseren Weg durch die Menschen. Alle gucken uns an als wären wir ein Auto… In der Mitte ist ein bisschen Platz, neben einem älteren Herrn. Der fängt gleich an uns vollzuquatschen. Ich verstehe nicht alles aber immerhin so viel, dass dieses Becken zu 100% mit Thermalwasser gefüllt ist. Deshalb ist es auch so heiß!
Er sagt, dass das ganz gesund ist und wir danach unbedingt in den Fluß gehen sollten um uns abzukühlen. Immer warm, kalt, warm, kalt… das ist gesund! Frei nach Kneip halt ne?

Es wird ein Plätzchen am Rand des Beckens frei, wo wir ungestört ein Selfie machen können.
Jetzt merke ich auch, dass vom Boden kleine Luftblasen aufsteigen.
Das Thermalbad liegt direkt am Fuße des Vulkans.
Die haben hier anscheinend in den Boden kleine Löcher reingebohrt, ein Becken drum gebaut und so steigt das warme Thermalwasser direkt aus dem Boden auf.
Als der nette ältere Herr noch einmal rüber kommt, frage ich ihn danach und er bestätigt unsere Theorie.
… und dann beginnt er uns auszufragen. Wo wir herkommen und wo wir in Ecuador schon waren. Wo wir noch hinwollen. Als er hört, dass wir nach Peru wollen gibt er uns Tipps wo wir am besten entlangfahren, damit es nicht gefährlich wird. Voll nett.
Irgendwann verabschieden wir uns von ihm. Inzwischen ist es uns echt zu warm in dem Wasser und wir folgen seiner Empfehlung in den Fluss zu gehen.
Das ist vielleicht witzig. Über eine Treppe kommt man vom Thermalbad direkt zu dem kleinen Fluss. Er führt an dieser Stelle über einige Steine und bildet so einen Miniwasserfall in den man hineinklettern kann.


Ziemlich glitschige Angelegenheit und echt kalt, besonders nach dem heißen Wasser im Thermalbecken, aber auch echt erfrischend.

Da die anderen warmen Becken wieder ziemlich voll sind und wir auf die kälteren keine Lust haben, beschließen wir, dass es uns reicht und wir gehen Richtung Duschen.
Auf die komischen alten Innenduschen haben wir keine Lust. Draußen gibt es auch noch eine. Wir stehen davor und diskutieren noch, ob wir auf die warten sollen, da spricht uns ein Typ auf Spanisch an.
Er hätte eben unser Gespräch mitbekommen und wollte uns den Tipp geben uns noch einmal genau zu erkundigen, ob die Grenze in den Bergen zu Peru wirklich offen ist. Sein letzter Stand wäre, dass sie noch zu ist.
Ziemlich schnell fragt er uns, ob wir Englisch sprechen und wir bejahen erleichtert. Auf Englisch geht das doch wesentlich einfacher. Er heißt Julio, hat einige Zeit in England gelebt und ist begeisterter Motorradfahrer. Er selbst fährt Teneré.
Wir unterhalten uns über Motorradreisen, Ecuador und andere Länder. Er ist in Europa schon viel mit dem Motorrad unterwegs gewesen und, besonders spannend mit seiner Frau bis nach Kapstadt runter gefahren.

Super cool und supernett. Irgendwann verabschieden wir uns. Ich ärgere mich ein bisschen, dass wir da in Badekleidung keine Gelegenheit hatten unsere Kontaktdaten auszutauschen. Aber so ist das nun einmal.
Wir gehen zu den Umkleiden. Während André bei der Ausgabe der blauen Körbchen ansteht, nehme ich vor den Kabinen Stellung. Jetzt wissen wir ja, wie der Hase läuft…
Wir können ziemlich schnell eine Umkleide ergattern und wie es der Zufall so will, steht Julios Frau direkt vor unserer Umkleide, als wir herauskommen. Na, wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist.
Ich krame die eine letzte Visitenkarte hervor und will sie ihr gerade geben, als Julio auch zur Umkleide kommt.


Da übergebe ich ihm die Karte und sage, ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt bleiben könnten, insbesondere weil mich deren Reise nach Kapstadt interessiert.
Dann sind wir wieder draußen. Was für ein cooles Erlebnis! Und gleich geht’s noch weiter mit unserem Wellness-Programm. Wir haben nämlich im Ort eine Massage gebucht.

Aber erstmal müssen wir hier wegkommen. Irgendwie ist der Internetempfang extrem schlecht. Dann wird es schwierig ein Uber zu bestellen.
Die Dame vom Verkaufssstand für Badekappen und allerhand anderen Gedöns sagt, dass Taxen hier eher nicht fahren, besser wäre wenn wir es weiter oben an der Straße probieren.


Als wir das gerade diskutieren kommt doch noch ein Taxi, was frei wird.

Wir sind gerade eingestiegen da kommt Julio auf das Taxi zu. Ob wir Lust hätten mit ihm und seiner Frau zu Mittag zu essen!? Da wir ja gleich unseren Massage-Termin haben, müssen wir leider absagen. Voll schade! Das hätte bestimmt Spaß gemacht!


Das Taxi schmeißt uns am Spa raus. Wir haben noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Termin.

Zeit zum Geldholen und einen kleinen Snack.


… und dann geht’s zur Massage.



Oh, war das schön. Zwei Stunden totale Ruhe und Entspannung.
Wir hatten erst eine Ganzkörpermassage, eine wahre Wohltat nach dem ganzen Motorradfahren. Anschließend eine Gesichtsbehandlung, bei der uns eine Paste aus diversen natürlichen Zutaten (Kartoffel, Honig, Gurke und noch ein paar Sachen, die ich mir nicht merken konnte) aufs Gesicht aufgetragen wurde. André meinte, es wäre einmal quer durch den Kompost …


Auf jeden Fall sahen wir sehr lustig aus damit!





Danach ging es dann noch für ne halbe Stunde ins Jacuzzi! Sehr entspannend! So lässt sich ein Sonntag aushalten…

Schön entspannt machen wir uns auf den Rückweg. Wir wollen zu Fuß zum Hotel zurück gehen und dies mit einem kleinen Stadtbummel durch Baños verbinden.
Baños de Agua Santa (Bäder des heiligen Wassers) ist eine beliebte Stadt in Ecuador. Neben den berühmten heißen Thermalquellen gibt es hier auch den aktiven Vulkan Tungurahua und die Stadt ist als Tor zum Amazonas-Regenwald bekannt. Sie liegt etwa 200 km von Quito auf etwa 1.820 Metern Höhe in den Anden und hat rund 18.000 Einwohner.


Leider kommen wir noch weit. Lediglich bis zum Parque Palomino Flores. Dort kann man sich eigentlich schön aufhalten. Er erinnert mich ein wenig an den zentralen Platz in Popayan.
Auch hier stehen Bänke in der Mitte im Kreis, auf denen sich allerlei Leben abspielt. Da sitzen ein paar Alte und gucken, Leute gehen spazieren; die Familie mit dem schreienden Säugling, der vom großen Bruder durch die Gegend geschleppt wird, während Mama quatscht. (hoffentlich großer Bruder, für nen Papa ist der Kerl noch ein bisschen jung und die Mutter deutlich älter, aber man weiß ja nie).



Blöderweise beginnt es dann aber zu regnen. Erst nur ein bisschen und dann stärker.
Ein Grund unseren kleinen Stadtbummel abzubrechen, zumal ich mich einfach ziemlich müde bin. Mir steckt mein Magen-Darm-Problem doch ganz schön in den Knochen.




Zurück im Hotel machen wir es uns im Zimmer gemütlich. Blog schreiben, Lesen, die Katze streicheln.

… und abends geht es dann zum Steakhouse. Da waren wir gestern schon und es hat uns richtig gut gefallen. André konnte sein Glück kaum fassen. Ein richtig gutes Rinderfilet, perfekt zubereitet mit 17$. Da bekommst du bei uns zu Hause beim Argentiner mal gerade die Beilagen für.





Dieser Typ hat mich schon gestern fasziniert. Mit einer Seelenruhe windet er dieses komische Zeug immer wieder um einen Haken herum, zieht es lang und verdreht es wieder… den ganzen Abend.
Als ich frage, was das ist erklärt er, das es eine Zuckermasse ist: nur Wasser und Zuckerrohr.
Aus der Masse werden die ganzen Süßigkeiten hergestellt, die es hier an der Straße zu kaufen gibt.
Das Zuckerrohr kommt in großen Stangen, fast baumstammgroß, und wird hier direkt an der Straße weiterverarbeitet.
Echt spannend. Er gibt uns ein bisschen was zum probieren. Ziemlich klebrig, aber irgendwie lecker und gar nicht so süß wie befürchtet.
