Wir sind in Quilotoa, am Kratersee auf der Shalala Lodge, direkt am Kraterrand. Der perfekte Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung entlang des Kraters.
Die Nacht war einigermaßen bescheiden hier oben in 3800m Höhe.
Ich kriege Kopfschmerzen, das Bett ist Mega unbequem und André und ich streiten uns die ganze Nacht um diese fürchterliche Deckenkonstruktion unter der hier geschlafen wird
… und es ist arschkalt.
Außerdem habe ich seit gestern tierische Rückenschmerzen auf der linken Seite. Ich muss mir irgendwie einen Nerv eingeklemmt haben. Das fing schon in Quito an und wurde bei der Motorradfahrt nicht besser.
Diese Decken sind grauenhaft.
Was würde ich für unser schönes leichtes Federbett von zuhause geben! Hier wird unter mehreren Schichten verschiedener Decken geschlafen: zuerst ein dünnes Laken (das kennt man ja aus südlichen Ländern), darüber eine Fleecedecke, dann eine dicke Wolldecke (vermutlich Alpaka) und obendrauf eine schnöde Steppdecke. Das ganze wird irgendwie komisch unter die Matratze gesteckt, das man des Nachts das Gefühl hat, gefesselt zu sein. Strampelt man das Konstrukt aber aus der Befestigung heraus, rutscht alles unkontrolliert herum und man liegt irgendwann ohne Decke da… und dann wird’s kalt. Sehr kalt! Denn wir haben hier oben in unserer Cabana keine Heizung (logisch).
Am Anfang stand in der Cabana ein kleiner Heizlüfter, der machte vor allem Krach. Wir haben dann von Umberto schließlich einen Ölradiator hingestellt bekommen, der bekommt die Bude ganz gut warm.
Ein bisschen Campingfeeling also hier oben.
Jetzt sitzen wir erstmal beim Frühstück. Das ist sehr lecker. Umbertos Frau gibt sich viel Mühe.

Es gibt leckeren Obstsalat , Melonensaft und Rührei. Das Brötchen mit dem Käse ist mir viel zu viel. Irgendwie kann ich hier oben wenig essen.
Ich hatte schon gestern damit angefangen, die Superpillen zu nehmen, die mir meine Schwester von ihrem Himalayaurlaub dagelassen hatte. Ein Königreich für diese Dinger, die haben echt geholfen!
Ich habe keine großen Anzeichen, dass mich die Höhe schafft, aber mir ist schnell schwindlig hier oben und ich bekomme Kopfschmerzen. Mit den Pillen gehen diese Symptome weg! 👍🏻

… und jetzt sind wir auf dem Weg zum Kraterrand der berühmten Laguna de Quilotoa.

Heute Morgen ist bestes Wetter. Die Sonne scheint und lässt den See in einem wunderschönen Smaragdgrün leuchten.




Wir sind hier oben auf der Plattform wieder ganz alleine und genießen die Aussicht. Im Windschatten der Glaswände ist es sogar richtig warm. Sobald man aber heraustritt weht einem ein eisiger Wind um die Nase.
Lediglich eine Etage tiefer sitzt ein einsame Wanderin, durch die zwei Etagen der Plattform kommen wir uns nicht in die Quere.




Wir machen uns auf den Weg. Wir wollen heute bis nach Quilotoa hinüber laufen.

Das sind lediglich 5 Kilometer hin und zurück, aber die haben es schon ein wenig in sich. Es geht die ganze Zeit am Kraterrand entlang. Eher ein Hasenpfad als ein Wanderweg und das ganze auf 3800m Höhe… da hat die Pumpe gut zu tun.


Aber die Aussicht und Ruhe ihr oben ist jede Anstrengung wert!



Auf halber Strecke geht es auf einem schmalen Pfad entlang, rechts und links geht’s nur runter. Hier allerdings zum Glück nicht steil sondern flacher, wie bei einer Kuppel.
Trotzdem pfeift dir der Wind heftig um die Ohren und ich habe Schwierigkeiten mein Gleichgewicht zu halten. Genau das richtige für mich mit meiner Höhenangst. Warum mach ich sowas immer? 🙈
Naja, nicht runterschauen dann geht’s.
Aber genau deshalb haben von der kompletten Kraterumrundung Abstand genommen.
Als Umberto uns gestern den Streckenverlauf gezeigt hatte und ich sah, dass der Weg in die entgegengesetzte Richtung direkt auf dem Grad langgeht. In schwindelerregender Höhe, rechts und links nur der Abgrund, war klar, dass das nicht geht. Mal abgesehen davon, dass die 11 Kilometer lange Route ganz schön sportlich ist in dieser Höhe. 5 bis 6 Stunden dauert diese Umrundung, immer am Grat entlang zwischen 3700 und 3930 Metern.

Naja, ich bin schon stolz wie Oskar, als ich mich traue zu André da raufzuklettern.

Keine Ahnung, was das fürn Grenzstein ist. Irgendwas wurde hier wohl vermessen. Auf jeden Fall ist das Ding verdammt hoch und man hat einen fantastischen Blick auf den Kratersee.


Also ich erst später auf dem Fotos. Im Leben nicht hätte ich es gewagt, da runter zu schauen…

Wir machen viele kleine Pausen und eine längere.
Hier zu liegen und in den Himmel zu schauen ist der Hammer.
Die Wolken scheinen zu rasen!

Es geht weiter, immer schön mit Blick auf den See.


Besonders schön sind die Farbschattierungen, die durch die Wolken auf dem Wasser entstehen.

Als wir uns dem kleinen Ort Quilotoa nähern, wird der Weg breiter, mit etwas mehr Abstand zum Kraterrand.

… und Schafen und Lamas, die am Wegesrand grasen.





… oder dumm im Weg herum stehen.

In Quilotoa machen wir Mittagspause. Almuerzo gibt es heute leider nicht, wir müssen a la Carte essen, trotzdem mit 2,50 pro Mahlzeit geschenkt.

Gute Nachricht: Meine Rückenschmerzen sind weg! Bewegung ist halt alles!
Schlechte Nachricht; Leider merke ich schon hier, dass mit meinem Verdauungsapperat irgendetwas überhaupt nicht stimmt. Ich bekomme fiese Schmerzen und habe das Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen… ohne Ergebnis.

Im wahrsten Sinne des Wortes einigermaßen Scheiße. Besonders auf ner Wanderung…
Wir begeben uns auf den Rückweg…



Wieder vorbei an den Lamas…

… den Schafen.


Blumen am Wegesrand…

… und dann können wir dir Lodge schon sehen. Zum greifen nah, aber doch noch ein ganzes Stück zu gehen.



Zum Abend hin hat sich mein Zustand leider echt verschlechtert. Ich bekomme kaum etwas von dem Essen herunter. Die Suppe geht gerade noch, dann ist Feierabend.

Ich habe derartige Schmerzen, dass ich nicht weiß, wie ich mich hinlegen soll. Do etwas habe ich noch nie erlebt!

Das kann ja ne tolle Nacht werden… und wie soll ich morgen Motorrad fahren?
