Alausi und die Nase des Teufels

Eine Eisenbahnfahrt mit dem „most difficult train in the world“ zur Nariz del Diablo, der Nase des Teufels

… ich werde vom Krähen der Hähne geweckt. Es ist kurz nach sechs.

Interessant… wir sind hier in Alausi, einer kleinen Bergstadt und dennoch hört es sich heute morgen an wie Ferien auf dem Bauernhof.

Die Nacht war superruhig, fast schon so still wie oben am Chimborazo.

Das einzig nervige war tatsächlich der Bewegungsmelder draußen auf dem Flur des Hostals. Keine Ahnung, warum der ständig an und wieder ausgeht, außer uns ist hier nämlich keiner… vielleicht ne Fliege? 🤷‍♀️

Naja… und jetzt krähen halt die Hähne.

Vom Bett aus kann ich im Hintergrund die Berge sehen. Das Wetter ist super, kein Wölkchen am Himmel. Das wird ein super Tag!

Wir sind in Alausi. Eine süße kleine Bergstadt, die uns echt überrascht hat.

Als wir hier gestern hinfuhren erwarteten wir irgendwie nicht viel. Immer noch leicht gefrustet, weil das mit dem Chimborazo nicht geklappt hatte und auch von der Fahrt wenig begeistert, da sie einigermaßen langweilig war.

Ich vermute, wir hatten die falsche Strecke gewählt.

Es gab zwei, eine längere und eine kürzere. Wir fragten in der Chimborazo Lodge nach dem besseren Weg und die schickten uns die kürzere Strecke. Da es mir gesundheitlich immer noch nicht wieder richtig gut geht, nahmen wir die dann erleichtert. War aber wahrscheinlich ein Fehler, denn es war etwas langweilig. Naja, jetzt ist‘s eh passiert…

Als wir dann in Alausi angekommen sind, kam noch die Krönung:

die Straße, in der unser Hostal liegt ist eine einzige Baustelle!

Erstmal kamen wir gar nicht so recht hin, weil alles irgendwie gesperrt war und wir dann im Einbahnstraßenchaos gefangen waren… und dann diese Baustelle.

Die komplette Straße haben sie hier aufgerissen und die Eisenbahnschienen freigelegt.

Ich bin dann schließlich das kleine Stück zum Hostal hinuntergelaufen, um nachzufragen,

wo wir unser Motorrad parken können.

Der Typ an der Rezeption sagt alles kein Problem. Wir können direkt gegenüber des Hostals parken.

Was hier? Mitten in der Baustelle?

Wenn da ein Baustellenfahrzeug dran langfährt, wie steht die Karre dann ab?

Ne, da wollen wir nicht stehen!

Wir laden erstmal das Gepäck ab und dann parkt André das Motorrad die Straße hoch an der Ecke. Kurz bevor die Baustelle anfängt.

Da steht sie ganz gut. Allerdings einfach so an der Straße. Der Mann vom Hostal sagt aber, das wäre hier sicher. Na, wollen wir das mal glauben.

Jetzt, mit dem Gekrähe an Morgen fühlt es sich auf jeden Fall sicher an.

In Alausi dreht sich alles um den Zug.

Die kleine Bergstadt liegt in unmittelbarer Nähe zur Nariz del Diablo . Das ist hier der Hausberg, der Teufelsberg. Das besondere an diesem Berg ist, dass hier eine der spektakulärsten Zugstrecken hinaufführt. Dafür ist der Ort bekannt.

Zu Eisenbahnzeiten lag Alausi an der wichtigen Bahnstrecke von Guayaquil durch die Anden nach Quito. Jetzt ist es ein richtig verschlafenes Nest.

Der Zug fährt schon lange nicht mehr und auch die Teilstrecke die Teufelsnase hinauf war lange Zeit außer Betrieb.

Seit 2025 fährt der Zug nun wieder dieses kleine Teilstück. Eine absolute Touristenattraktion und Hoffnungsträger für den Ort.

Hier herrscht Aufbruchstimmung. Deshalb auch die vielen Baustellen. Die kleine Stadt macht sich hübsch. Wenn das einmal fertig ist, dann ist das hier ein richtig schöner schnuckeliger Ort.

Aber auch jetzt schon gefällt und Alausi richtig gut.

Ebenso unsere Unterkunft.

Wir schlafen im Community Hostal, ein wirklich hochwertig zurecht gemachtes Hostal, direkt in Bahnhofsnähe.

Hier ist alles tipptopp. Zimmer sauber, Sanitäranlagen auf echt neuesten Stand, super Matratze und mit sehr viel Liebe und hochwertig eingerichtet.

Beim Frühstück (das im übrigen mehr als ausgezeichnet ist 👍🏻) lernen wir Marco kennen.

Marco ist 78 Jahre alt, Marathon-Läufer und der Chef des Hostals. Er kann ziemlich gut Englisch, ist aber auch geduldig genug, wenn ich es auf Spanisch probiere.

Er ist ein echt toller Kerl und so offen für alles, gibt uns viele Tipps, was wir uns in Alausi alles anschauen können und schlägt auch die Wanderung zur Teufelsnase vor.

Da ist sie wieder, die Nase des Teufels.

Wir waren kurz davor unser Chillprogramm für heute zu skippen und diese Wanderung zu machen, aber leider spielt mein Bauch da nicht mit und so lassen wir es und machen die Schmalspur-Variante: Stadtbummel.

Der Hauptplatz des Ortes ist auch eine reine Baustelle…

aber wenn man über den Zaun lugt, sieht man, dass das hier echt ordentlich aufgehübscht wird.

Aber genau das brauch man auch mal. Sich einfach durch einen Ort treiben lassen, Bummeln schauen, sitzen.

Stichwort: Baumarkt 🙈

… und dabei fällt uns auf, wie schön dieser Ort jetzt schon ist.

Diese uralten Häuser mit ihren aufwändig verzierten Holzelementen.

Klar, einiges ist stark renovierungsbedürftig. Aber da sind die Leute dran. Hier ist Bewegung drin.

Hoch oben über der Stadt liegt der Friedhof. Ein schöner Ort zum Verweilen.

Ich mag die lateinamerikanischen Friedhöfe. Irgendwie strahlen sie etwas friedliches aus.

… und gleichzeitig hochinteressant. Mit diesen Kammern, die Regalen gleichen.

Es ist ruhig und hier hat man einen schönen Blick über die Stadt und das Tal.

… und ich mag Kirchen.

Diese hier wird auch gerade zurechtgestutzt, deshalb können wir uns nur die Nase am Gitter des Haupteinganges plattdrücken.

Wir gehen durch die Hallen des großen Marktes.

Früher was das alles offen. Heute gibt es ein riesiges überdachtes Gebäude, in dem die Händler ihre einzelnen Bereiche haben.

Hier kannste die Tracht kaufen, mit der hier alle herum laufen…

In der Mitte Obst und Gemüse, rechts davon die Schlachter und dann nach außen hin alles, was nichts mit Essen zu tun hat.

Wir bummeln weiter die Straßen entlang.

Bis zum Bahnhof.

Den haben sie schon richtig fein herausgeputzt, inklusive Vorplatz, auf dem der obligatorische Namenszug des Ortes steht.

Hier gibt es auch diverse kleine Büdchen mit Souvenirkram, alles rund um den Zug versteht sich!

Alle Beschilderungen sind auf Spanisch und Englisch und der Zug wird schon für die Fahrt morgen geputzt und gewienert…

Dort essen wir erstmal zu Mittag. Sehr lecker.

Anschließend geht’s in das kleine Museum nebenan.

Da haben sie die Geschichte der Eisenbahn Ecuadors ein wenig aufgearbeitet und es geht natürlich wieder um die berühmte Strecke zur Teufelsnase hoch.

Morgen. Morgen werden wir auch mit dem Zug fahren.

Heute wird weitergebummelt.

Wir gehen zur Eisenbahnbrücke.

Sie liegt in die entgegengesetzte Richtung zum Bahnhof, etwa 5 Fußminuten vom Hostal entfernt, wenn überhaupt.

Ein Zug fährt hier nicht mehr drüber. Jetzt ist die Brücke ein schönes Fotomotiv, aber auch Mahnmal zum Erinnern an ein tragisches Ereignis, dass sich hier vor drei Jahren ereignete:

Nach heftigen Regenfällen rutschte der ganze Hang ab und begrub ein ganzes Wohnviertel der kleinen Stadt.

Heute erinnert ein großes weißes Kreuz daran, sowie die Gedenktafel an der Brücke.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Ortes steht auf einem Hügel eine riesengroße Statue:

San Pedro, der Schutzpatron der Stadt.

2013 wurde diese riesige begehbare Statue mit finanzieller Hilfe aus den USA aufgebaut.

Tragisch irgendwie, dass Alausi genau 10 Jahre später durch den schrecklichen Erdrutsch Schlagzeilen machte.

Wir genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf die unter uns liegende Stadt…

… und das Café del Tren zum Abendessen.

Das Café hat uns Marco empfohlen und es wirklich niedlich. Ein kleines Ding, betrieben von ein paar älteren Frauen.

Während wir auf das Essen warten, kommen wir mit Rodriguez ins Gespräch. Er sitzt am Nebentisch und scheint zum Inventar zu gehören.

Ich schaue zur Decke. Eigentlich sollte hier ein Zug an der Decke fahren. Die Gleise sieht man noch. Über einen Schalter an der Wand wird die kleine Eisenbahnanlage eingeschaltet.

Aber der Zug fährt nicht mehr richtig, ein Waggon ist entgleist.

André klettert auf den Stuhl und kann so relativ einfach, den entgleisten Waggon zurückstellen und an die Eisenbahn dranfummeln.

… und dann dreht die kleine Eisenbahn wieder ihre Runde, zur Freude der alten Damen!

… und unser lecker Abendessen ist auch fertig!

Nach dem Essen genießen wir noch ein bisschen die Abendstimmung dieses schönen kleinen Ortes,

Als wir ins Hostal zurück kommen, wartet Marco schon mit einem Drink auf uns.

Das hatte er heute mehrmals angekündigt…

Uiuiui… das Zeug hat’s echt in sich: PURO… Irgendein selbstgemachter Schnaps aus Zuckerrohr… der brennt dir alles weg 🙈.

Wir quatschen mit Marco über alles mögliche und dann fängt André an deutsche Schlager vorzuspielen… aus den 70 ern wohlgemerkt, weil wir heute morgen feststellten, dass die spanische Musik, die sich André bei Spotify gemerkt hatte (die aus dem kleinen Restaurant mit der Mega Hühnersuppe…), alt ist und irgendwie genau so klingt, wie alte Lieder von Peter Alexander.

Na, da sind die beiden in ihrem Element. Was für ne coole Socke, der Marco (der hatte nämlich bei dem Tänzchen keinen Schnaps intus 😉)

Am nächsten Morgen geht es direkt nach dem Frühstück zum Zug.

Der fährt um 8 Uhr los und der ganze Ort ist auf den Beinen.

Ein Megaevent ist das hier! Blaskapelle, winkende Schaulustige… ich komme mir ein bisschen vor, wie bei der Junfernfahrt der Eisenbahn vor 200 Jahren…

… und dann setzt sich der Zug in Bewegung.

Wir sitzen auf der rechten Seite und haben einen tollen Ausblick auf die Landschaft.

Der Zug fährt immer schön am Hang des Nariz del Diablo (Teufelsnase) entlang langsam hinab in die Talsenke nach Sibambe (1.806 m).

Die Teufelsnase ist ein 100 Meter hoher markanter Felsvorsprung über der Schlucht des Rio Chanchán.

Um den Felsen zu überwinden, wurden die Gleise in der steilen Wand der Teufelsnase in engen Kurven um den Bergvorsprung herumgelegt und durch zwei Spitzkehren miteinander verbunden. Am Fuße des Berges im Tal des Río Chanchán liegt der Bahnhof Sibambe.

Die Strecke wurde zwischen 1899 und 1908 gebaut und galt damals als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst.

Die Zugfahrt auf den Dächern der Wagen war jahrzehntelang eine gewöhnliche Transportmöglichkeit und eine besondere Touristenattraktion, welche 2004 verboten wurde. Aufgrund der starken Nachfrage wurden stärker gesicherte Dachfahrten wieder möglich. Nach einem tödlichen Unfall im Jahr 2007 wurden diese endgültig verboten.

Jetzt fahren also alle brav im Abteil😉.

Im Tal gibt es eine kurze Fotopause von 10 Minuten, danach geht es wieder rückwärts bis zu dem kleinen Bahnhof von Sibambe.

Auch dort ist wieder ein großes Empfangskomitee aufgebaut, mit Tanzgruppe, Mädchen in Trachten und verkleideten Lamas…

Auf dem Rückweg haben wir bei bestem Wetter noch einmal einen fantastischen Blick auf die Landschaft.

Dieses Mal ganz ohne den Schattenwurf der Teufelsnase…

Nach diesem schönen Vormittagsprogramm verabschieden wir uns von Marco im Hostal, packen unsere Klamotten aufs Motorrad und fahren weiter Richtung Ingapirca…

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