Die Nacht war tatsächlich scheiße.
Die ganze Nacht haben die nebenan das Haus abgerissen. Hörte sich teilweise an, als wenn wir mit abgerissen werden…
Wir haben in dem bei booking am besten bewerteten „Hotel“ geschlafen, in einem Bett, dass kurz davor war auseinander zu brechen und bei Eiseskälte. (und hier gibt’s zum ersten Mal keine der berühmten schweren Lamadecken…) Als wir in der Dusche das Warmwasser aufdrehen, geht das Wasser nach einer Minute komplett aus … das wars dann wohl mit dem Duschen.


Naja. Jetzt sitzen wir hier in La Union tatsächlich in einem Café und bekommen ein Frühstück: Spiegelei, Brot und Kaffee 😅

Das können wir gut gebrauchen. Vor uns liegt noch einmal eine recht anstrengende Strecke.

Unsere allerletzte Etappe dies Jahr führt uns durch die Berge nach Huanuco.





Also erstmal raus aus La Union…

Es geht so weiter, wie es gestern aufgehört hat.

Die Strecke geht abwechselnd über die schöne neue Fahrbahn und dann wieder über völlig kaputte Lehm- und Schotterabschnitte.







Supernervig ist, dass die Straßen heute teilweise ganz schön nass sind. Das liegt nicht am Regen. Nein, die scheinen hier die Straßen zu wässern, damit es nicht so staubt.


Schöne Scheiße! Da ist uns Staub aber tausend mal lieber! Jetzt hat sich eine Schleimschicht auf dem Weg gebildet, der so glatt ist wie Schmierseife.




Gut, dass wir die Heidenau Ranger Reifen drauf haben. Die retten uns jetzt echt den Arsch!



Da ist ja der Übeltäter! Schnell zusehen, dass wir an dem Stinker vorbei kommen.



Irgendwann erreichen wir tatsächlich mal einen Ort, an dem mehrere kleine Restaurants sind.
Alle nicht besonders einladend. Aber wir brauchen ne Pause und ein bisschen was zu essen, sowie Wasser.
Wir bestellen eine Portion Chaufa, gebratenen Reis. Da kann man nicht viel falsch machen. Kaffee haben sie nicht, stattdessen gibt es Tee. Die bestellte Cola kommt sofort aber auf das bestellte Wasser warten wir umsonst.
Es ist einfach unglaublich.
Da stehen reihenweise Wasserflaschen im Regal.
Die Frau aus dem Restaurant geht da sogar hin. Kommt dann aber ohne Flasche zurück.
Nach ner Weile geht André nochmal zu ihr und fragt nach dem bestellten Wasser. Er zeigt sogar auf die Flaschen.
Die Frau geht da wieder hin. Fummelt an den Flaschen rum. Kommt ohne Flasche wieder. Wir bekommen einfach keines.
Uns wird das zu blöd und wir holen die Wasserflasche aus dem Seitenkoffer raus.
Trinken wir eben das.
Wenn die uns Nix verkaufen wollen… Bitte.



Kurz vor drei kommen wir bei unserem Airbnb an. Ein bisschen zu früh, aber Luis unser Host erwartet uns schon.




Was für eine Freude! Nach den doch eher schlichten bis schlechten Unterkünften der letzten beiden Nächte ist diese Unterkunft ein sechser im Lotto. Es liegt zwar direkt an der recht viel befahrenen Straße, aber es ist für peruanische Verhältnisse super gut ausgestattet, super sauber, viel Platz und mit Luis und seiner Familie haben wir ganz tolle Gastgeber, die bei allem behilflich sind.

Es fängt schon gleich bei der Reinigung unserer BMW an.

Luis geht mit uns rüber zu den Jungs vom Carwash und klärt alles für uns. Total nett und kurze Zeit später wuseln 4 nette junge Peruaner um unser Motorrad herum und bringen es auf Hochglanz.


Ok, den allerletzten Glanz, unsere obligatorische WD 40 Dusche, die erledigen wir am Ende schon selbst. Das ist Ehrensache.


… eine gute halbe Stunde später steht unser Beast schön sauber unten bei Luis in der Garage.
Erster Teil der Mission Einlagerung erledigt.
Jetzt müssen wir sie morgen nur noch zu Toby von Around the Block. Dort wird unser Beast nämlich bis zum nächsten Jahr stehen.

Zum Abendessen fahren wir mit dem Tuck Tuck zum Restaurant Booze Garden. Eine Empfehlung von Luis. Ein bisschen fleischlastig, aber erfrischend europäisch 😉
…. und endlich mal kein Pollo frito!


Nach dem Frühstück geht’s mit dem Motorrad Richtung City.
Mission Einlagerung…



Wir treffen uns mit Toby beim Notar.
Dort muss ich eine Vollmacht unterschreiben und beglaubigen lassen, damit er alles weitere mit dem Motorrad für uns händeln kann.

Geht ziemlich fix. Dann sitzen wir wieder auf der BMW Richtung Around the Block.
Step 2 der Mission Einlagerung erfolgreich beendet.
Auf der anderen Seite der Stadt, Richtung Flughafen, hat Toby seinen ehemaligen Shop von Around the Block.

Around the Block Moto Adventures sind auf Motorradreisen und -vermietungen spezialisiert. Den Hauptsitz des Shops haben sie inzwischen ins 9 Stunden entfernte Pucallpa verlegt. Hier in Huanoco lagern sie im Shop nur noch Motorräder ein, so wie unsere BMW.
Erstmal müssen wir die Lady da reinbekommen… ist ganz schöne Millimeterarbeit, aber klappt.

Da steht sie nun, die gute, und wartet auf die Inspektion durch die Polizei.
Peru ist das einzige Land hier in Südamerika, dass den Service anbietet, den TIP (TemporaryImportPermission) für ein Jahr einzufrieren und danach wieder zu aktivieren. Dieser Prozess ist allerdings etwas aufwändig. Die Polizei muss kommen und kontrollieren, um welches Fahrzeug es geht und wo es während der „Stilllegung“ steht. Dann wird das dokumentiert, geht zum Zoll und der nimmt es aus den TIP raus. Das kann bis zu 6 Wochen dauern. Deshalb hat Toby meine Vollmacht bekommen. Wenn wir im nächsten Jahr zurückkehren, geht das ganze dann wieder in die andere Richtung. Auch darum wird sich Toby kümmern. Ist echt supi, dass die hier diesen Service anbieten.

Mit demselben komischen Gefühl lassen wir unser Beast zurück. Inzwischen kennen wir das ja schon, aber es ist jedes Jahr das gleiche Gefühl.
Einerseits Stolz, Erleichterung… wir haben ein weiteres Etappenziel heile geschafft, andererseits dieses nicht beschreibbare diffuse Gefühl, weil man das Beast hier zurücklässt.
Mission Einlagerung Beast abgeschlossen.

Am Nachmittag schauen wir uns noch ein bisschen in Huanuco um und starten am Hauptplatz, Plaza de Armas.

Einmal wieder auf der Suche nach nem gescheiten Kaffee werden wir hier tatsächlich fündig



… und ich gönne mir zur Feier des Tages einen Cappuccino.
Sogar mit nem Stück Apfelkuchen. Der lachte mich an und da es schon nach 14 Uhr ist, haben wir langsam ein bisschen Hunger. André nimmt Flan.
Die Portionen sind derart groß, dass wir es beide nicht schaffen aufzuessen. Hätten wir das gewusst, hätten wir uns ein Stück geteilt. Schade um das gute Essen!


So rollen wir anschließend mehr oder weniger durch die Stadt 🤣.
Zurück zum Hauptplatz.
Hier soll angeblich die Kathedrale stehen.
Als wir eben schon mal dort waren, haben wir sie nicht gesehen.

Kein Wunder! Hättet ihr erwartet, dass das eine Kathedrale ist?

Für uns sieht das auf den ersten Blick eher wie ein verunglücktes Hotel oder Verwaltungsgebäude aus, aber sicher nicht nach einer prunkvollen katholischen Kathedrale…
Die Kathedrale von Huánuco (Catedral de Huánuco) ist eine moderne Bischofskirche.
Die ursprüngliche Kirche wurde im Jahr 1618 erbaut, aber später mehrfach abgerissen und neu errichtet.
Das aktuelle, moderne Gebäude wurde zwischen 1979 und 1982 nach Plänen des deutschen Architekten Kuno an der Stelle der alten Kolonialkirche erbaut.
Die beiden markanten Kirchtürme der Kathedrale symbolisieren zum Himmel erhobene Hände im Gebet.
Im Inneren befinden sich zudem historische Messgewänder (Casullas) aus der Zeit von Santo Toribio de Mogrovejo, die mit Gold- und Silberfäden bestickt sind.
Die Kirche beherbergt die berühmte Statue des „Señor de Burgos“ (den Schutzpatron der Stadt), die jedes Jahr im Oktober durch die Straßen getragen wird.
Auch hier haben wir beim Betreten des Gotteshauses wieder das Gefühl nicht stören zu wollen. Es findet zwar gerade kein Gottesdienst statt, dennoch sitzen in den Bänken und einzelnen Altarnischen betende Menschen.
Wir setzen uns also auch in eine der Bänke und lassen das Gebäude auf uns wirken.


Was uns fasziniert ist die komplett ungewöhnliche Anordnung der Sitze zum Altarbereich.
Überhaupt nicht von oben herab, wie man es von den alten Kathedralen so gewohnt ist, sondern eher auf Augenhöhe sind die Bänke im Halbkreis zum Altarbereich angeordnet.
Überhaupt besticht die Kirche durch eine angenehme Schlichtheit.

Es geht weiter durch die Stadt. Wir vertreten uns die Beine, sitzen auf Parkbänke und beobachten das Treiben in der Stadt…


Am Abend treibt es uns dann noch einmal in das Booze Garden Restaurant.

Das Essen gestern war einfach zu gut, da gehen wir gleich noch einmal hin…




Ein schöner Abschluss des Tages und unserer diesjährigen Reise.
Obwohl, morgen geht es ja noch für eine Nacht nach Lima…
