Wir sind hier jetzt seit zwei Tagen auf der Panamericana unterwegs …
Was ist das für eine Straße? Was ist das für ein Land in dem wir hier gelandet sind?
Peru tut sich echt schwer, uns zu gefallen…

Wir wussten, dass die Runde unten an der Küste lang nicht schön und eher langweilig wird. Renate und Gerd (trafen wir ja in Cuenca) hatten schon erzählt, dass sie wenig begeistert waren von Peru.
Sie meinten, sie wären zu lange auf der Panamericana gewesen. Jetzt wissen wir, was sie meinen.
Es ist einfach schrecklich.

Die Straße an sich nicht. Die ist super.
Die erste Straße seit Panama auf der man sein Gehirn abschalten und seine Gedanken treiben lassen kann: Kein Schlagloch, bester Asphalt, oft zweispurig… immer nur geradeaus. Rechts und links nichts, kein Strauch, kein Baum… die totale Weite, gute Sicht. Da braucht man keine Sorge haben, dass plötzlich ein Tier aus dem Gebüsch springt.
Alles gut also, bloß ein bisschen langweilig.
Mal abgesehen von den Massen an Müll, die hier rechts und links der Straße liegen.
Die muss man versuchen auszublenden. Was schwerfällt… ist einfach zu präsent.
Tja, und wenn die Straße dann durch die Ortschaften führt? Ein komplett anderes Bild: Schlaglöcher, ein irrer Verkehr, noch mehr Müll, Menschen, Hühner, Ziegen, Tuk Tuks von rechts nach links.
Die Regierung scheint hier im Norden das gesamte Geld in die Panamericana zu stecken, zumindest die Überlandteile.
Bei den Menschen hier kommt nichts an…
Diese Armut, diese gefühlte Gleichgültigkeit mit der die Menschen hier zu leben scheinen ist erdrückend.
Das haben wir auf der gesamten Reise so bisher noch nicht erlebt.



Kleiner Lichtblick am Rande der Straße: kurze Trinkpause mit Katzen, Hühnern und einer total netten Verkäuferin. Die setzte sich mit ihrem 2jährigen Sohn einfach mit uns an den Tisch und quatschte uns ohne Punkt und Komma voll, stellte Fragen, erzählte… das war total nett.




Wir fahren von Piura zunächst stundenlang durch die Wüste.
Anfänglich gibt es noch ein wenig Pflanzen, karge staubige Bäume und Büsche, sowie Urbanisationen rechts und links der Straße.


Keine wirklichen Orte, eher Ansammlungen von Hütten jeglicher Art, teilweise aus Ziegeln gebaut, aber zunehmend nur aus Brettern, Wellblech oder Plastikfolie zusammengehämmert.
Ärmlich, sehr ärmlich wirkt Peru auf uns. Teilweise erinnert es mich stark an Afrika.
Auf dauert zermürbend. Wir sind einigermaßen fassungslos.
… bleibt die Wüste.

Irgendwann lassen wir die ärmlichen Siedlungen hinter uns und dann kommt nur noch Sand.
So weit das Auge schauen kann. Nichts als Sand und plattes Land. Kein Hügel, kein Strauch, selbst mit dem Müll wird es weniger.

Die haben hier die Straße mitten ins Nirgendwo gebaut.

Sand. Sand. Sand… und die Straße.

Zum Glück ist es heute bewölkt. Wenn einem hier noch die Sonne volle Lotte auf den Helm scheinen würde, wäre man total gar 😉.

Aber es lässt sich gut fahren. So gut wie kein Verkehr. Hand ans Gas und Gedanken schweifen lassen. Das Motorrad fährt von selbst…


Naja, ganz alleine sind wir natürlich nicht auf der Strecke. Eigentlich gehört die Straße den riesigen LKWs die hier langdonnern. Teilweise mit seltsamer Ladung…



… und dann ist die schöne Zeit des „eingelullten vor sich hinfahrens“ wieder vorbei. Wir nähern uns Chiclayo…
Also: schöne Straße vorbei, Schlaglöcher ohne Ende und…


welcome to the hell of traffic!

Die Fahren hier in Peru wirklich wie die Henker. Null Rücksichtnahme, jeder denkt nur an sich, es wird gehupt, was das Zeug hält und Verkehrsregeln sind sowieso komplett überbewertet. Mittendrin steht dann irgendwo nen Polizist und pfeift wie irre, interessiert aber auch keinen… toll!
Wir sind heilfroh als wir in unserem Hotel ankommen: Villa Santa stand im Internet. Am Hotel und auf den Handtüchern etc. steht überall Villa Retto… 🤔. Egal. Das Motorrad ist sicher geparkt. Wir haben ein Zimmer in der zweiten Etage, sauber und mit Blick aufs Beast.

Dann starten wir den Versuch etwas zu Essen zu bekommen. Unterwegs gab’s ja nur Sand 🤣.

Irgendwie ist uns nach Pizza und oh Wunder, in der Nachbarschaft gibt es tatsächlich ein italienisches Restaurant, das ziemlich gut bewertet ist.


War leider ein fail…
die Pizza für zwei Personen ist gerade mal so klein wie ne normale Tiefkühlpizza aus dem Aldi und schmecken tut sie leider auch nicht wirklich. Egal, der Hunger treibt es rein und wir müssen wohl oder übel noch ne zweite dieser Minipizzen bestellen um ansatzweise satt zu werden.
Ich frage mich echt, wie groß die Pizza für eine Person ist!? Untertassengröße?


… und ich frage mich, wo die vielen guten Bewertungen herkommen…
Die Nacht war auch ein Träumchen.
Erstmal kamen bis spät in die Nacht nacheinander bestimmt 6 Autos an. Jedesmal eine irre Rangiererei, inklusive laufenden Motoren und rücksichtslosem Herumgebrülle. Dann war ein paar Stunden Ruhe… immerhin. Ab 5 Uhr das ganze dann Retour.
Es fing damit an, dass ich vom Motorenlärm und den gebrüllten Rangieranweisungen aufwachte: Zwei Typen versuchten ihren Monster Pickup an unserem Motorrad vorbei zu bekommen.
Wie heißt das so schön? Wo de reinkommst kommste auch wieder raus? War wohl nix!
Die beiden machen nur Angst. Fehlte noch, dass die unsere BMW zu Mus fahren!
Also tapert André in Schlafanzughose und Badelatschen runter, um die BMW etwas an die Seite zu schieben. Geht übrigens ohne lautes Motoranlassen und Rumgeschreie…

Irgendwann sind alle wieder weg. Wir können in Ruhe frühstücken und machen uns dann auch an die Weiterfahrt…

Zurück auf die Straße…

Das dauert erstmal, bis wir aus dem Verkehrschaos raus sind.


… dann hat uns die Wüste wieder.


Zweiter Tag PanAm.

Leider ist die Strecke von Chiclayo nach Trujillo nicht so schön zu fahren wie gestern.

Wir müssen durch viel mehr Ortschaften fahren, mit Topas und viel Verkehr. Das macht es anstrengend.

Kaffee- und Wasserpause irgendwo.



Erst steht da nur ein riesiger LKW mit laufendem Motor, am Ende drei. Supernervig.
Ich weiß nicht, warum man als LKW-Fahrer stundenlang mit laufendem Motor herumstehen muss.



… weiter geht’s!





Ein bisschen durchatmen, wenn wieder eine Strecke ohne Topas und Tuk Tuks vor uns liegt.


… dann wieder das totale Chaos beim Durchfahren kleiner Städte….

Wir erreichen Trujillo, dort wird das Verkehrschaos nochmals getoppt… irre!


… und wir sind einfach nur froh als wir das Motorrad sicher in der Tiefgarage unseres Hotels abgestellt haben.


