… was ist das für ein seltsames Rauschen?
Es ist 4:30 am Morgen und ich stehe senkrecht im Bett.
Das ist jetzt das dritte Mal, dass ich heute Nacht wach werde. Nicht, dass das nicht normal wäre… Kämpfe ich doch immer noch ein bisschen mit dem Jetlag, aber das jetzt?
Erst war es zu warm, André macht die Klimaanlage wieder an, dann wache ich auf, weil mir viel zu kalt wird. Also schalte ich die Klimaanlage wieder aus… und jetzt?
Es rauscht und fegt über unseren Köpfen als gäb‘s kein Morgen.
Es regnet … und zwar in Strömen!
Das Wasser prasselt nur so auf das Blechdach unseres kleinen Hotelzimmers. Irgendwo klappert was und es weht ordentlich. Hört sich irre an!
Erstaunlich! Gestern, als wir ankamen, empfing uns die Insel mit knallblauem Himmel und Sonnenschein. Kein Anzeichen davon, dass das Wetter umschlagen könnte.
Im Gegenteil: die Sonne brannte gnadenlos auf und herab.
Jetzt Regen! Und nicht zu knapp!
Naja, wir sind halt mitten im Pazifischen Ozean… Galapagos!
Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen!
Die Galapagosinseln! Das war schon immer mein Sehnsuchtsziel!
In weiter Ferne, scheinbar unerreichbar!
Jetzt haben wir’s einfach gemacht. In Quito in den Flieger gestiegen und zwei Stunden später waren wir auf Baltra, der kleinen Flughafeninsel des Archipels. Von Ecuador aus sind die Inseln meiner Träume gar nicht so weit…

Dennoch ist es nicht unkompliziert hierher zu kommen und teuer 🙈. Allein um überhaupt die Inseln betreten zu dürfen wird jeder Reisende schon mal um 220$ erleichtert. Gebühren und Eintritt für den Nationalpark.

Das erste Mal zur Kasse gebeten werden wir direkt am Flughafen: 20$ pro Person für das TCT, die Transit Control Card, ohne die kommst du gar nicht an Bord.


Dann musst du online noch eine Eidesstattliche Erklärung abgeben, dass du keine unerlaubten Waren auf die Inseln einführst. Das müssen wir aber erst bei Ankunft im Flughafen vorzeigen. Zusammen mit den 200$ pro Kopf Eintritt.
Die Einreise auf Galapagos ist ebenso stark kontrolliert, wie die Einreise in ein eigenes Land: Passkontrolle, TCT Kontrolle, das Gepäck wird ein weiteres Mal durchleuchtet…

Und dann sind wir drin!
Erstmal geht’s zum Bus und dort mit dem Geldausgeben so weiter: 5$ Bus, 1$ Überfahrt mit dem Boot nach Santa Cruz.


Dort wartet heute kein Bus auf die Touristen. Wir müssen ein Taxi nehmen… nochmal 30$, aber wir finden ein Pärchen aus China, mit dem wir uns das Taxi teilen. 👍🏻
Schließlich kommen wir in unserem Hostal an. Das Morning Glory liegt ziemlich zentral direkt an der Hauptstraße des Ortes Puerto Ayora.
Es geht durch einen schlauchartigen Eingang in den schön begrünten Hinterhof:

Mehrere kleine Zimmer teilen sich einen Garten mit Hängematten, Open Air Küche und überdachter Terrasse.


Unser Zimmer ist relativ klein, bietet aber mit dem Extrabett genügend Platz, um seinen ganzen Kram auszubreiten. Und wir haben ja nicht viel: lediglich unsere Handgepäck-Rucksäcke, das war’s! Der Rest ist am Moped.

Hier auf Galapagos ist es warm!

Sehr warm, wie ich gerade feststelle… und schwül! Die Klimaanlage habe ich inzwischen wieder angemacht. Der Regen hat aufgehört. Schlafen kann ich trotzdem nicht, ich schreibe einfach weiter. Es ist 5:30. Zum Aufstehen noch zu früh…
Dabei war die Nacht recht lang. Gestern, nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, sind wir erstmal nur in den Ort, um etwas zu essen.
Unser Host hatte uns das Chocolate empfohlen.
Die bieten Almuerzo an, ein günstiges und gutes Mittagessen.

Es gab eine leckere Kartoffelsuppe mit Garnelen und anschließend camerones bzw. pescados a la plancha, gebratene Garnelen und Fisch. Dazu Reis und Salat. Sehr lecker und mit 7$ auch wirklich günstig, nur die Bierpreise haben es in sich: 5$ für ne kleine Flasche 🙈.
Von unserem Tisch aus haben wir einen schönen Blick auf die kleine Hafenpromenade, wo sich gerade mehrere Seelöwen in der Sonne räkeln.
Da gehen wir nach dem Essen hin.



Der Pazifik! Wie lange ist das her, dass wir den auf unserer Motorradreise gesehen haben?
Zuletzt 2024 in Panama! Ich merke, wie sehr ich das vermisst habe, hohe Berge hin oder her. Der Ozean ist einfach das A und O!

… und da sind auch unsere faulen Seelöwen! Die liegen da einfach völlig unbeeindruckt herum und pennen.

… ebenso wie die Iguanas, über die man hier überall regelrecht stolpert.

Auf den hier z.B. wäre ich fast draufgetreten, weil ich mich über die Brüstung des Geländers beugen wollte um weiter unten in den Mangroven zu schauen, ob da etwas lebt. Dabei saß der kleine Kerl direkt vor meiner Nase!

Es ist faszinierend, wie viel Leben hier auf jedem Quadratmeter der Insel zu finden ist.


Egal wo man hinschaut, liegen Iguanas herum oder krabbeln diese großen roten Krabben durch die Lavasteine, hoch über uns ziehen seltsam wirkende Urzeitvögel ihre Kreise und mit einem plötzlichen Platsch taucht direkt vor meiner Nase ein Pelikan ins Wasser um sich einen Fisch zu schnappen. Wo kam der jetzt auf einmal her?


Galapagos hält, was es verspricht: Hier sind wir zu Gast bei den Tieren!
Nach einem kurzen Nickerchen im Hostal machen wir uns am Abend nochmals auf den Weg.
Was für ein cooles Gefühl, einfach unbeschwert im Dunkeln herumlaufen zu können, ohne ein mulmiges Gefühl im Bauch, ob das denn wirklich ungefährlich ist. Verrückt, aber ich glaube so unbeschwert by Night unterwegs waren wir auch zuletzt in der historischen Altstadt von Panama. Lange ist‘s her!
Im Dunkeln kann man die Tiere noch einmal ganz anders beobachten.



Die obligatorischen endlos schlafenden Seelöwen liegen auch weiterhin im Weg herum. Die gehören irgendwie schon zum Inventar. Wie kommen die da bloß überall hin? Und was ist so toll daran, mitten im Weg herumzuliegen? Naja, egal.

Im Hafenbecken kann man jetzt sehr schön Fische beobachten. Der Landungssteg ist von unten beleuchtet und das scheint den vielen kleinen Fischen zu gefallen, die sich hier in ganzen Schwärmen tummeln.


Das wiederum gefällt den Haien auf der Suche nach nem kleinen Snack..
… und dem Pelikan, der scheinbar unbeteiligt auf der Reling sitzt,


um dann plötzlich ins Wasser zu stürzen und mit einer ordentlichen Ladung Wasser und Fisch im Schnabel wieder hochkommt.


Auf dem Rückweg kehren wir noch kurz in den Supermarkt ein. Richtig Hunger haben wir nach unserem späten Mittagessen nicht, also kaufen wir ne Flasche Wein und etwas zum Knabbern. Damit wollen wir uns vor dem Schlafen noch ein bisschen in den Garten setzen…

Puh! Das mit dem Wein war keine so gute Idee! Selten so etwas eklig süßes getrunken! Ist das kalter Glühwein oder was?

Beim nächsten Mal sollten wir vielleicht mal genauer auf das Etikett schauen: konzentrierter Rotweintraubenmost, Wasser, Alkohol, Zucker … was für ein Fusel 🤪, aber die Chips schmecken 😉.
Inzwischen ist es draußen hell geworden. Kurz nach 7 Uhr. Zeit, aufzustehen.
Wir wollen heute möglichst früh zur Charles Darwin Research Station,
um uns das Aufzucht-Projekt für die Riesenschildkröten anzuschauen.
Zum Frühstück bekommen wir sehr neugierigen Besuch…
Der kleine Gecko steht total auf unsere Erdbeermarmelade 🙈.

Nachdem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Der Meetingpoint für die Führung ist nur ein paar Meter die Straße entlang.
Wenn uns nicht ein Typ bei dem Treffpunkt angesprochen hätte wären wir glatt an der Agentur vorbeigelaufen, wo man die Tickets kaufen kann. Seit COVID kann man nicht mehr allein dorthin sondern bekommt einen Guide zugeteilt.

Uns begleitet William, einer netter Typ, nur sein Englisch ist nicht so einfach zu verstehen. Irgendwie haben wir da immer das gleiche Glück… wenn ich nur an den Guide in México bei den Pyramiden von Teotihuaćan denke🙈.
Naja, wir tragen es mit Fassung. Es ist ja trotzdem sehr informativ.


Über einen Lehrpfad mit verschiedenen Stationen, die über die Bedeutung der Forschungen von Darwin für Galapagos aber auch die gesamte Entwicklungstheorie aufklären, geht es zur Aufzucht – Station.

Was mich wirklich überrascht hat, ist die Tatsache, dass Charles Darwin mit Anfang 20 tatsächlich lediglich 5 Wochen auf Galapagos verbracht hat. Danach ist er nach England zurück und hat sich in sein Arbeitszimmer gesetzt und den Rest seines Lebens mit der Forschung aus seinen Aufzeichnungen verbracht.

Wir haben es seinen Forschungen zu verdanken, dass es aufschlussreiche Erkenntnisse zur Evolution gibt und Galapagos feiert ihn regelrecht.

Wir kommen zur Aufzucht-Station.
Hier auf Santa Cruz wird seit 1965 den jungen Riesenschildkröten ein geschützter Raum eingerichtet, in dem sie ohne Fressfeinde aufwachsen können. Ziel ist die Auswilderung, wenn die Tiere eine überlebensfähige Größe haben.

Durch das Programm haben sich die Bestände der Schildkröten inzwischen deutlich erholt und es konnten sogar auf einigen Inseln, wieder erfolgreich Schildkröten angesiedelt werden. Auf Floreana galt sie z.B. als ausgestorben, nun laufen sie dort wieder herum.



Das größte Problem für die Schildkrötenbabys sind Ratten. Sie wurden irgendwann vom Festland eingeschleppt, sind hier riesig und futtern am liebsten Schildkröteneier.

Die Aufzuchtstation ist wie ein großer Kindergarten für Schildkröten. Die Nummern auf den Panzern dienen der Zuordnung zur Herkunftsinsel. Denn die Eier werden auf den jeweiligen Inseln eingesammelt, hierher gebracht und die Schildkröte später wieder auf ihre Heimatinsel zurück gebracht.




Manche Arten konnten auf diese Weise aber leider nicht mehr gerettet werden, wie z.B. der Lonesome George. Lonesome George wurde etwa 100 Jahre alt und wog rund 90 kg. Er starb am 24. Juni 2012 als vermutlich letztes Individuum seiner Unterart. Vorher waren leider alle Versuche mit ihm Nachkommen zu züchten erfolglos geblieben.

Nun ist er hier in der Station als tragische Figur präpariert und ausgestellt.

… bisschen Ulk muss sein. André neben Darwin.


… und wieder einmal neugierige Gäste. Diesmal bei der Kaffeepause in der Station.
Wir machen uns auf den Rückweg zum Ort.


Es ist noch früh, gerade mal 11:50. Zeit für eine kleine Pause im Hostal. Danach wollen wir in die Highlands zu den Riesenschildkröten.
Aber erstmal geht es runter zum kleinen Hafen. Lunchtime!



Anscheinend auch für diverse Vögel. Als wir ankommen ist gerade richtig Betrieb auf der Mole!

Pelikane, Graureiher, dazwischen Iguanas, die sich Sonnen und natürlich die Seelöwen (die wohnen hier glaube ich 😉).


Die drei hier warten mehr oder weniger geduldig darauf, dass irgendetwas vom Fischfang abfällt…


Gibt aber Nix! 🤷♀️


Dafür gibt es aber jetzt was für uns. Wir haben genug Pelikantheater geguckt… jetzt gibt’s Mittagessen.

Von unserem Masterplatz direkt vorne im Chocolate können wir das Spektakel auch noch beim Essen beobachten…

… und die fleißig fotografierenden deutschen Touristen 😉.

Ohje… sehen wir etwa auch so aus, wenn wir da stehen?
