Lost in den Minen von Antamina

Kennt keiner, ist aber ne Hammerstrecke! Von San Marcos über die 111 nach La Union. Supersteiler Anstieg über ausgewaschene Schotterpiste und danach eine fein ausgebaute Schotterpiste in luftigen Höhen von 4300 Metern.

Wir starten früh. Hier in San Marcos hält uns nichts und die heutige Strecke hat es wieder in sich. Unsere freundliche Rezeptionistin hatte uns gestern schon gesagt, dass der größte Teil unserer Fahrt nach La Union über eine Pista geht. 2 Stunden Pista, sagte sie… na da sind wir gespannt.

Aber zunächst sind wir auf der Suche nach einem Kaffee. Da es unterwegs wahrscheinlich wieder nichts geben wird ist es umso wichtiger, wenigstens jetzt etwas in den Magen zu bekommen.

Vor allem was zum Aufwachen… die Nacht war so la la.

Bis ca. 2 Uhr hatten wir einen irren Baustellenlärm!

Die fingen an, als wir uns um 20 Uhr ins Bett legten. Ein wahnsinniges Getöse und Gerumpel, Bagger, die piepen, Leute, die rumbrüllen… reißen die die ganze Straße auf?

Nee! Heute Morgen sehen wir, was los war: die haben heute Nacht mal gerade ein komplettes Haus weggerissen…

auf der gegenüberliegenden Seite vom Platz. Irre!

Angeblich soll es zwei Ecken weiter Kaffee geben…

Auf der Suche nach dem Kaffee entdecken wir vieles. Es ist gerade Markt, wir kaufen etwas Obst und Brot. Töpfe, Süßigkeiten und Piñatas. Apotheken… in der Straße hat’s fünf!!! Apotheken. Alles kannst du hier an jeder Ecke kaufen. Aber Kaffee? Nada!

Nee! Dafür massig Hühner 😳.

Und dann finden wir ihn doch, den Kaffeestand.

Ein kleiner Bollerwagen mit ner Thermoskanne. Daraus wird der Kaffee in Biergläser abgefüllt.

Gut, dass wir nur einen Kaffee gekauft haben! Er schmeckt gruselig!

Eine süße Plürre aus nem Bierglas! Bähhh!

Wir trudeln mit unseren Einkäufen zurück zum Hotel und machen es uns auf einer Bank im Innenhof bequem.

Brot, unsere Quetschmarmelade, die wir noch aus Ecuador mit uns herumfahren, Banane und Trinkjoghurt. Not macht erfinderisch. Eigentlich ein ganz gutes Frühstück! Fehlt halt nur der Kaffee…

Beast hat auch Hunger. Unsere BMW braucht mal ein bisschen Öl bevor wir weiterfahren. Sehr spannend für diverse Leute hier, die sich den Wartungsprozess interessiert anschauen. Überhaupt, wenn wir irgendwo vorfahren oder wie jetzt packen sind wir plötzliche interessant wie ein paar Zirkuspferde.

… und dann geht’s gleich richtig heftig los.

Die „Straße“ ist mal wieder in einem desolaten Zustand, es geht bergauf und zudem haben wir die ersten paar Kilometer gleich wieder so nen LKW vor der Nase und können nicht überholen. Staub fressen ist angesagt!

Dann landen wir vor ner gesperrten Straße, aber so richtig. Da geht kein Weg dran vorbei.

… unser Navi sagt aber, dass wir da durch müssen.

Ich steige ab und klettere über die Absperrung zu den Bauarbeitern. Erkläre, wo wir hinwollen und die zeigen den Berg hinauf. Irgendwie müssen wir den schmalen und ziemlich steilen Weg nehmen, da kommt man weiter.

Von oben sehe ich, dass diverse LKW entgegenkommen. Gut, da kommt man anscheinend echt durch, schlecht… bei so ner Strecke laufend mit LKW in den Kehren rechnen ist nicht witzig.

Irgendwie klappt es. Das erste Stück fährt André alleine, danach kämpfen wir uns zusammen durch.

Ans Filmen ist nicht wirklich zu denken. Die meiste Zeit klammere ich mich wie ein Äffchen an André dran und versuche möglichst unauffällig zu sein. Dabei beobachte ich die von oben kommende Straße und versuche abzuchecken, ob frei ist oder nicht. Zum Glück kann man die Straße oft gut einsehen.

Ich gucke auf den Gegenverkehr, André auf die Buckelpiste vor der Nase.

Es geht heftig steil nach oben!

Eigentlich eher was für leichte Motorcross-Maschinen hier. Nichts für eine voll bepackte BMW. Steil und gleichzeitig in den fiesen Spitzkehren sind meistens die größten Schlaglöcher, plötzlich Sand, Geröll oder riesige Steine.

Aber dann haben wir es geschafft!

… und oben erwartet uns wieder die feinste Schotterstraße ever!

Mit einem grandiosen Blick über die Anden.

Das ist der absolute Motorradtraum hier oben. Auf 4200 Metern Höhe geht es auf einer richtig schön verdichteten Schotterstraße in weichen Schwüngen durch eine Bergkulisse wie aus einer anderen Welt. Hohe nackte Felswände türmen sich in der Ferne auf, die einen schon fast an die Dolomiten erinnern. Davor eine hügelige grüne Landschaft mit Wiesen auf denen Schafe und Kühe grasen. Sonst nichts… friedliche Ruhe und Einsamkeit. 

Auf der anderen Seite der Berge sehen wir dann, warum die Straße hier so tipptopp in Schuss gehalten ist.

Vor uns türmen sich eine ganz neue Berglandschaft auf. Riesige künstlich aufgeschüttete Schichten aus verschiedenen grauen Steinen so weit das Auge reicht.

Wir kommen in das Minengebiet.

Die Antamina-Mine ist eine der größten und modernsten Kupfer- und Zinkminen der Welt und liegt im Herzen der peruanischen Anden.

Allgemeine Fakten

  • Standort: Region Áncash, rund 270 Kilometer nördlich von Lima in Peru.
  • Höhenlage: Etwa 4.300 Meter über dem Meeresspiegel.
  • Betriebsbeginn: 2001.
  • Eigentümer: Ein Konsortium aus BHP (33,75 %), Glencore (33,75 %), Teck Resources (22,5 %) und Mitsubishi Corporation (10 %). 

Produktion und

  • Hauptmetalle: Kupfer und Zink.
  • Nebenprodukte: Molybdän, Silber und Blei-Wismut.
  • Abbauart: Tagebau (Open-Pit-Mining) mit Lkw- und Schaufelbetrieb.
  • Transport: Ein über 300 Kilometer langer Minerodukto (eine Schlammpipeline) transportiert die Konzentrate von der Mine bis zum Hafen von Punta Lobitos in Huarmey an der Küste. 

Rohstoffe Zukunft und Nachhaltigkeit

  • Lebensdauer: Durch das Investitionsprojekt Reposición Antamina ist der Betrieb bis zum Jahr 2036 gesichert, Pläne für eine Verlängerung bis 2050 sind in Arbeit. 
  • Umweltschutz: Die Anlage recycelt einen Großteil des verwendeten Wassers und strebt an, den Betrieb langfristig nachhaltig auszurichten.

… und da fahren wir jetzt drauf zu.

Vor uns erstreckt sich ein riesiges Gebiet in Grautönen. Weiter hinten schimmert es in einem zarten Türkis.

So von weitem sieht es sogar ganz schön aus. Aber der Schein trügt, denn es ist alles künstlich und in ständiger Bewegung. Eine riesenhafte Anlage, in der den Bergen systematisch ihr kostbares Inneres entnommen wird. Hier wird das ganz große Geld verdient…

Wir fahren direkt in die Minenanlage hinein.

… und dann taucht da plötzlich dieser Schafhirte auf, der seine zwei Tiere durch diese Wüste hindurch führt. Wie schrecklich muss das für die Menschen hier oben sein.

Zu sehen, wie sich die Landschaft Tag für Tag verändert.

Nichts ist hier am anderen Tag wie es vorher war.

Unser Navi kommt gerade gar nicht klar.

Die Straße, die per GPS erfasst ist verläuft schon lange nicht mehr so. Wir fahren durch ein Wirrwarr von grauen Schotterstraßen, um uns herum LKW ohne Ende. Es piept und brummt und man muss höllisch aufpassen, nicht zwischen die Räder zu gelangen.

Zum Glück stehen überall so kleine gelb-schwarz gestreifte Büdchen herum, in dem ein Bauarbeiter steht. Die sind total nett und zeigen uns den Weg.

Es ist wohl ziemlich offensichtlich, dass wir hier komplett lost sind…

Fast 40 Minuten kurven wir hier durch die Landschaft aus Schotter und Schlamm. Dann erreichen wir das Ende des Gebietes, oder ist es der Anfang? Endlos lange fahren wir an riesigen Barackenanlagen aus Wohncontainern vorbei. Danach folgen eisiger Parkplätze mit Reisebussen, alles abgesperrt durch einen mehrere Meter hohen Stacheldraht. Hochsicherheitstrakt.

Nach dem Minengebiet geht es wieder genauso schön und friedlich weiter wie vorher.

Verrückt! Man kann nur hoffen, dass sich dieses Minengebiet nicht auch noch hierhin ausbreitet, wie ein giftiges Geschwür, dass sich in diese wunderbare Landschaft frisst und eine Wüste hinterlässt.

Es ist so schön hier!

Der Mine sei Dank ist die Straße hier 1a. Keine Schlaglöcher, tipptopp Asphalt und breit wie ne Autobahn.

Nach etwa 20 Minuten traumschöner Fahrt durch die Anden erreichen wir die Laguna Canrash.

Hier soll es Forelle direkt aus der Lagune geben.

Hätten wir nicht bei Google gesehen, dass hier ein Restaurant sein soll, wären wir glatt vorbeigefahren.

Als wir auf dem Parkplatz halten, sieht alles komplett zu aus. Von einem Restaurantbetrieb keine Spur.

Hinter dem Haus sitzen ein Mann und eine Frau und nehmen gerade ein Schaf aus.

Auf die Frage, ob das Restaurant geöffnet ist, nicken sie und zeigen auf das Haus.

Also gehen wir einmal um die Hütte herum und finden eine versteckte Tür.

Dahinter stehen wir in einem etwas dunklen Gastraum. Nebenan in der Küche geschäftiges Klappern. Wir sind die einzigen Gäste hier.

Es ist arschkalt hier drin. Wir finden heraus, dass es noch eine überdachte Terrasse gibt. Da sitzen auch noch mehr Gäste und es ist deutlich wärmer hier. Durch die großen Fenster scheint die Sonne und erwärmt den Raum.

Es gibt nur ein Gericht: Frittierte Forelle mit Pommes und etwas Salat. Dazu Kamillentee.

Das Essen ist einfach aber echt köstlich!

Eigentlich ist Fisch so gar nicht meins, aber diese Forelle ist wirklich super lecker.

Was für eine wunderbare Mittagspause!

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt erreichen wir die N3 und damit auch wieder die Straße voller Schlaglöcher. Welcome back to Peru! Da wo die Mine nicht mehr involviert ist, wird auch kein Geld für vernünftige Straßen ausgegeben.

Linke Seite die 111, rechts die N3…

Wir fahren auf der N3 bis nach La Union. Zwischendurch gibt es immer wieder schön ausgebaute nagelneue Teilstücke. Da wurde ja doch mal etwas in den Straßenbau investiert.

Mit der Zeit wird uns auch klar, wie extrem aufwändig das hier mit dem Straßenbau ist: Die Straße ist noch nicht richtig fertig, da rutscht schon wieder ein Hang ab und alles ist für die Katz…

Superärgerlich! Um die Straßen hier dauerhaft vor solchen Erdrutschen zu schützen, müsste man extrem viel Aufwand betreiben und Geld in die Hand nehmen.

Wir erreichen La Union am frühen Nachmittag.

Die Ernüchterung kommt direkt als wir vor unser Hotel vorfahren:

Direkt neben dem Hotel reißen sie ein Haus ab!

Also wieder eine schlaflose Nacht…

Aber vorher gibt’s noch ne Hühnersuppe… und die ist richtig lecker! 😋

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