Kleine Auszeit über den Dächern der Stadt…
Da ist es wieder, dieses Gefühl heimatlos zu sein…
das kennen wir schon von den anderen Etappen.
Frühstücken… wie in einem eigenen Zuhause, selbst gemacht und mit Blick auf die Stadt. Gibt es etwas schöneres?




Irgendwann, nach drei Wochen in immer wieder neuen Betten, immer wieder Essen gehen, ist es so herrlich mal wieder eine eigene Küche zu haben, um etwas zuzubereiten und einen eigenen kleinen Balkon, auf dem man gemütlich sitzen und die Seele baumeln lassen kann…
Wir haben das schon auf Galapagos genossen und unser Frühstück selbst machen zu können, aber da hatten wir nur die Gemeinschaftsküche des Hostels…
Hier haben wir unser eigenes kleines Reich.



Über den Dächern von Cuenca.
Es ist noch ein bisschen bewölkt, aber die Sonne wird sich wohl noch durchkämpfen. Für den Nachmittag haben sie sogar ein bisschen Regen angesagt. Naja, abwarten. Bisher haben sie es immer und es kam nichts.

Gestern Abend waren wir noch schön einkaufen.
Wobei der Supermarkt um die Ecke außer diesen schicken Einkaufswägelchen vor allem Drogerieartikel hatte.
Klopapier, Putzmittel und Pappteller hätten wir hier bergeweise herausschleppen können, mit den Lebensmitteln sah es etwas mau aus.
Naja, aber für unser Frühstück haben wir dann schließlich doch alles zusammen bekommen. Bis aufs Brot …


Das hat André heute morgen vom Bäcker geholt… direkt unten zwei Häuser weiter. Lecker!

Jetzt sind wir unterwegs zur Catedral de la Inmaculada Concepción de Cuenca.
Die große Kathedrale, deren blaue Kuppeln wir vom Balkon aus gesehen haben. Dort ist der Treffpunkt für die Free Walking Tour.


Wir treffen uns neben der Kathedrale in einem schönen Innenhof, umgeben von zweistöckigen Gebäuden mit Galerie. Alles sehr schön hergerichtet und auf Tourismus eingerichtet.

Diese Gebäude dienten früher einmal den Mönchen als eine Art Seminar, zum studieren und meditieren.
Irgendwann wurde denen das in der Stadt zu wuselig und sie sind weiter außerhalb gezogen.

Unser Walking Tour Trupp ist eine kleine Gruppe:
Ein Typ aus Australien und ein Pärchen aus Österreich, Renate und Gerd, die wir wir freudig feststellen auch mit dem Motorrad unterwegs sind. Allerdings mit einem Ural-Gespann (wie geil ist das denn bitte?) und sie fahren andersrum… die waren schon in Peru und haben jetzt Ecuador und Kolumbien vor sich…, später kommt dann noch ein weiteres englisch sprechendes Pärchen dazu… das wars.

Diese Gasse gleich zwischen Katheter und ehemaligen Seminargebäuden liegt die Calle Santa Ana. Die kleine Gasse gehört zu den ältesten Straßenzügen der Stadt und stammt aus der Kolonialzeit nach der Stadtgründung im Jahr 1557.
Am Ende der Gasse befindet sich dieses seltsame Wunsch-Loch.
Irgendwie sind die hier in Cuenca alle sehr abergläubisch. Dieses Loch soll Wünsche erfüllen, wenn man Geld hineinwirft. Das kennt man ja schon von diversen Brunnen auf dieser Welt, bekanntestes Beispiel ist wohl der Trevi Brunnen in Rom.
Das besondere hier ist, das die Wünsche allerdings nur unter zwei Bedingungen erfüllt werden: wenn man genau in die brunnenartige Vertiefung hinein trifft und der Wünschende reinen Herzens ist.

Das ganze wird seit einigen Jahren erschwert, da über dem Loch eine Glasplatte angebracht wurde. Zu viele Kinder waren in das Loch geklettert und hatten sich dabei verletzt.
Jetzt sind nur noch schmale Öffnungen geblieben, durch die man gut zielen muss.,André hat getroffen, was er sich gewünscht hat weiß ich nicht. Darf man ja nicht sagen 😉!

In der ganzen Stadt findet man diese bemalten Stromverteilerkästen.
Sie entstanden bei einem Mural-/Public-Art-Projekt in Cuenca „Cuenca, Raíces y Colores“ . Ein Projekt zur Wiederbelebung des öffentlichen Raums durch Kunst; dabei wurden 14 Interventionen in Calle Larga, 6 Murales im Barrio Convención del 45, 2 großformatige Murals an der Plaza del Arte und der Bajada de El Vado sowie 62 bemalte Stromkästen umgesetzt.




Diese Kästen wurden von dem Künstler Roberto Bravo gestaltet. Seine Motive sind traditionelle Cuenca-Figuren.


Das graue Gebäude auf der linken Straßenseite steht wie fast alle Gebäude in der historischen Altstadt unter Denkmalschutz. Das besondere an diesem Gebäude ist, dass es ursprünglich von einem Deutschen errichtet wurde und schon immer eine Apotheke beherbergte. Diese Apotheke war lange Zeit der einzige Ort, an dem man Alkohol kaufen konnte. Heute ist das Haus und auch die Apotheke nicht mehr in deutscher Hand. Die Apotheke verkauft aber weiterhin u.a. deutschen Alkohol (und andere deutsche Spezialitäten). Außerdem kann man hier ein „Wunderwasser“ kaufen, muss es aber sofort vor Ort trinken, weil die Rezeptur geheim ist: Soda…



Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Katzenzungen für 6,75$ als deutsche Spezialität…

Das scheint auch irgendwie ne Spezialität zu sein: Diese Wägelchen mit dem komischen Süßkram stehen hier an jeder Straßenecke. Teilweise laufen hier auch fliegende Händler herum, die so einen Glaskasten mit dem Zeug auf den Schultern tragen.
Mutet auf den ersten Blick wie Eis an, ist aber irgendeine Zuckermasse, die wie Softeis auf der Waffel drapiert wird… und dann wird geschleckt.


Im Parque Calderón ist immer etwas los.
Wir lieben ja solche Plätze. Eine grüne Oase inmitten der Stadt. Hier kann man sitzen und gucken.
Benannt nach dem Unabhängigkeitshelden Abdón Calderón, ist der Platz weltweit einzigartig, da er direkt von zwei Kathedralen – der Alten Kathedrale (Catedral Vieja) aus dem Jahre 1557 und der berühmten Neuen Kathedrale mit ihren blauen Kuppeln – umgeben ist.


Ja, die alte (oberes Bild) und die neue Kathedrale.
Eine Besonderheit auf den die Leute hier sehr stolz sind.
Die alte Kathedrale war den Geistlichen hier irgendwann nicht mehr schick genug. Deshalb beschwerten sie sich in Rom und bekamen dann das Go für den Bau der neuen Kathedrale, die mit ihren drei markanten blauen Kuppeln das unverkennbare Wahrzeichen der historischen Altstadt am Parque Calderón bildet.
Der Grundstein wurde im Jahr 1885 gelegt und der Entwurf stammt maßgeblich von dem deutschstämmigen Redemptoristen-Bruder Juan Bautista Stiehle.
Das Gotteshaus kombiniert verschiedene Stile und wird von den weithin sichtbaren, hellblauen und weißen Kuppeln dominiert, die fast 60 Meter in den Himmel ragen. Allerdings ist sie bis heute nicht fertiggestellt, denn die beiden vorderen Türme sollten eigentlich auch noch Kuppeln erhalten. Aus statischen Gründen ist das aber wohl nicht möglich.


Um die Kathedrale herum ist viel los. In der Mariscal Sucre geht man an diversen „Künstlern“ vorbei.
Vom Porträtzeichner über die Lebenden Statuen bis hin zu dem skurrilen älteren Herrn auf seiner Musikmaschine (das Ding klingt schrecklich!) tummelt sich hier alles was irgendwie mit Kunst (im weitesten Sinne) Geld verdienen möchte.



Direkt gegenüber ist der Blumenmarkt.
Hier gibt es zu sehr günstigen Preisen alles, was das Blumenherz begehrt. Für meinen Geschmack ein bisschen sehr kitschig. Aber passt hierher.


In einer Ecke des Blumenmarktes gibt es ein kleines Holztürfenster.
Dort verkaufen die „Nonnen am Blumenmarkt“ (Plaza de las Flores) ihr Agua de Pítimas.
Das berühmte rosafarbene Heilgetränk wird von den Karmeliterinnen des Klosters El Carmen de la Asunción aus über 50 verschiedenen Blumen und Kräutern nach einem streng geheimen Rezept hergestellt.


Es gilt als fast wundertätig und soll bei Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen und Hautleiden helfen.
Na, schauen wir mal, ich fand es auf jeden Fall recht lecker.

Seit diesem Foto ging es meinem Kreislauf zunehmend schlechter.
Ich weiß nicht, was diese Frau da an ihrem Stand eigentlich verkauft, aber sie hatte direkt vor ihrem Stand eine Dose stehen, in der sie irgendein Kraut verbrannte. So ne Art Weihrauch, bloß viel intensiver.
Das Zeug schlägt mir direkt auf den Magen und ich bin total benebelt.




Die Plaza San Francisco in Cuenca ist ein historischer, zentraler Platz in der Altstadt.
Er ist bekannt für seinen traditionellen Handwerksmarkt, handgemachte Textilien, Ledersäcke und Kleidung sowie die angrenzende San-Francisco-Kirche. Außerdem wird hier wohl sehr ausgelassen Karneval gefeiert.

… und dann führte uns unsere Free Walking Tour in den Mercado 10 de Agosto.



Die Markthalle erstreckt sich über zwei Hauptebenen und bietet einen tiefen Einblick in das alltägliche Leben der Einheimischen:
Erdgeschoss (Frischeprodukte): Hier finden Sie eine riesige, farbenfrohe Auswahl an exotischen Früchten, Gemüse, Gewürzen, frischen Blumen und Fleischständen.
Obergeschoss (Food-Court / Essensstände): Ein absolutes Paradies für Foodies. Hier werden traditionelle Gerichte der Andenregion frisch zubereitet. Besonders berühmt ist der Markt für sein Hornado (langsam im Ofen am Stück gebratenes Schweinefleisch), das mit Mote (Mais) und Kartofelkuchen (Llapingachos) für etwa 3 bis 5 USD serviert wird. Auch frische Säfte (Jugos) und Tamales sind sehr zu empfehlen.
Die „Limpias“ (Traditionelle Reinigung): Ein kulturelles Highlight findet jeden Dienstag und Freitag statt. Unter den Rolltreppen bieten indigene Heilerinnen (Curanderas) sogenannte Limpias an. Dabei handelt es sich um ein schamanisches Ritual mit Heilkräutern und Eiern, das negative Energien und Krankheiten vertreiben soll.

Spätestens in dieser Kräuterabteilung war mir komplett schlecht.
Diese Gerüche! Schwindel, Ohrensausen… ich brauchte dringend frische Luft und etwas zum sitzen.



… aber so schnell kam die Erlösung nicht, denn diese Halle ist riesig.
Irgendwie habe ich mich da total benebelt durchgekämpft.

Zum Schluss gab’s dann noch einmal diese Schweine…


Puh war ich froh, als wir wieder draußen an der „frischen“ Luft waren.


Hier war unsere Tour dann auch zu Ende und wir sind dann mit den beiden Österreichern noch ausgiebig Mittagessen gegangen.
Das Raymipampa wurde uns von unserer Führerin bei der Walking Tour als authentisch empfohlen… und man sollte da gut sitzen können.

Als wir da hereinkommen erschlägt es mich von warmer abgestandener Luft. Erstaunlicherweise war das dann oben, wo wir auf der Empore sitzen, besser.
Nachdem ich den ersten Schluck von dem bestellten Bier getrunken habe, geht’s meinem Kreislauf dann schon viel besser.
Wahrscheinlich war ich einfach nur unterhopft 🤣!
Sitzen, was trinken und quatschen! 😅

Wir verbringen eine sehr lange und sehr unterhaltsame Mittagspause mit Renate und Gerd. Es gibt ja so viel zu erzählen und auszutauschen!

Wir quatschen so lange, dass die Kathedrale, in die wir eigentlich noch reingehen wollten, tatsächlich zu ist.


Misst, da stehen wir nun, vor dem riesigen verschlossenen Tor…
Morgen um 7 Uhr macht sie wieder auf. Mal schauen, ob wir da vor der Abreise noch die Zeit für finden.
Naja, wenn die neue Kathedrale nicht auf ist, gehen wir halt in die alte.
Die ist ja eigentlich auch sehenswerter weil älter oder?



Die Alte Kathedrale (Catedral Vieja)
Ursprung: Sie wurde 1557 – im Jahr der Stadtgründung – erbaut und verwendete teilweise Steine der früheren Inka-Stätte Tomebamba. Heutige
Nutzung: Sie dient heute nicht mehr als Hauptbischofssitz, sondern als sakrales Museum (Museo de Arte Religioso), in dem historische religiöse Kunst und die älteste Orgel des Landes ausgestellt sind.



Einen schönen Innenhof hat es hier, etwas versteckt hinten dran.


… und es ist so richtig schön leer und chillig in der Kirche. Der Mop tobt draußen herum…




… und was ist das bitte für ein Loch? Ziemlich spooky da unten…


Irgendwie wird mir auch hier wieder leicht plümerant, mein Kreislauf will einfach nicht so richtig…
Wir gehen also Richtung AirBnB, Pause machen…

Auf dem Weg liegt noch diese coole Kirche.
Die können wir auch von unserem Balkonfenster sehen. Besonders beeindruckend finde ich die beiden Kuppeln auf den Türmen, die in der Nacht auf geheimnisvolle Weise leuchten. Jetzt bei Tage sehen die Dächer nämlich aus, als wenn Fliesen drauf liegen. 🤔 vielleicht Glasfliesen?



Lange können und wollen wir uns in der Kirche aber nicht aufhalten. Da findet gerade eine Hochzeit statt, da wollen wir nicht stören.




Zurück auf unserem kleinen Balkon mit Blick auf die Stadt lässt es sich richtig schön chillen und die Sonne genießen.



Bis zum Abend. Es ist so schön hier oben, da haben wir gar keine Lust in irgendeine überteuerte Skybar zu gehen 😉. Wir bleiben einfach hier.
Der nächste Morgen weckt uns mit bestem Reisewetter.

Heute Nacht hatte es noch ziemlich geregnet, da hatte ich schon Sorge, dass wir im Regen fahren müssen…
Aber jetzt sieht es ja ziemlich gut aus.
Wir sind so früh dran, dass wir es tatsächlich schaffen, nach dem Packen noch einmal schnell zur Kathedrale zu gehen.

Zweiter Versuch, das Ding von innen zu sehen.

Klappt, allerdings werde ich schon bei diesem Foto ziemlich unfreundlich darauf aufmerksam gemacht, dass gerade Gottesdienst ist und keine Fotos gemacht werden dürfen.
Meine Güte, ehrlich gesagt rennen hier so viele Leute random herum, dass ich tatsächlich erst gar nicht wahrgenommen habe, dass hier ein Gottesdienst stattfindet.
Wir setzen uns ein bisschen dazu, als dann aber alle aufstehen und zu trällern anfangen wird uns das doch zu bunt und wir verziehen uns wieder.






Auf dem Rückweg zum AirBnB haben wir dann noch in einem Hinterhof diese seltsame Riesenmeerschweinchen – Ausstellung entdeckt…





Schräg…

… und dann heißt es Abschied nehmen von unserer süßen kleinen Dachterrasse …


Wir fahren heute weiter … nach Loja.

