Mega! Das ist jetzt mal ne echte Traumstrecke! Die Straße hoch zum Punta Olimpica Pass ist die coolste und beste Strecke, die wir hier in Peru gefahren sind.
Punta Olimpica! Wie gut, dass wir uns dafür entschieden haben, hier entlang zu fahren! Gestern noch stand alles auf der Kippe. Uns ging es so schlecht, ich war schon am Zweifeln, ob wir überhaupt weiter fahren können. Innerlich hatten wir uns schon darauf eingestellt, dass wir den Pass sausen lassen und die vermeintlichen leichter Strecke über Huaraz durch die Berge nehmen.
Aber, manchmal kommt es doch anders als man denkt.
Wir lassen es ruhig angehen heute morgen. Schlafen lange, frühstücken erst um 9 Uhr und fahren dann erst ganz entspannt gegen 10:30 Uhr los.

Zum Frühstück hatte uns Kelly extra ein Oatmeal gemacht. Das gibt Kraft für den Tag 💪🏻!




Mit einem lachendem Gesicht, weil es weitergeht, aber auch einem traurigen Gesicht, verlassen wir Caraz und das IntiRuni Inn. Es war wirklich schön hier!


Schon die Fahrt rüber nach Carhuaz verläuft sehr angenehm. Die 3N ist in gutem Zustand und wir haben superwenig Verkehr. Vielleicht wegen der späten Uhrzeit?



Ab Carhuaz geht es in die Berge, auf die 107 Richtung Chacas.



Immer schön auf einer gut in Schuss gehaltenen geteerten Straße. Durch den Wald, an Wiesen vorbei, durch kleine Dörfer.
Was hier alles auf der Straße unterwegs ist, ist echt ne Wucht. Schweine, Hühner, Esel, Schafe, ganze Familien mit ihrem kompletten Zoo…


Irgendwann werden die Siedlungen weniger. Wir erreichen das Ulta Tal und stehen vor einer Schranke.


Hier beginnt der Nationalpark Huascarán und die Durchfahrt kostet für uns Eintritt. 30 Soles pro Person, ist im Vergleich zu den 5 Soles an der Laguna Paron schon recht üppig. Wenn deshalb die Straße hier so tipptopp ist, zahlen wir das gerne 😉.


Die Ruta AN-107 von Carhuaz nach Chacas führt durch dieses Hochtal hinauf zum Túnel Punta Olímpica. Das Tal liegt im Nationalpark Huascarán zwischen den Bergen Nevado Ulta und Punta Olímpica. Der Tunnel durchquert dort das Ulta-Massiv auf etwa 4.730 m Höhe, aber dazu kommen wir noch. Erstmal genießen wir die Fahrt durch dieses zauberhafte Tal.




Schließlich erreichen wir den Anstieg hoch zum Punta Olimipca Pass. In unzähligen Spitzkehren geht es hier den Berg hinauf.

Hier beginnt der totale Fahrspaß!



Eine anspruchsvolle Strecke, aber dank des super Asphalts eine absolute Freude für jeden Motorradfahrer.

Wir sind völlig begeistert. Kehre für Kehre geht es nach oben und der Höhenmesser auf dem Garmin klettert unaufhörlich weiter nach oben.



3800 Meter, 4000 Meter, 4200 Meter, 4300…



Wir erreichen den Mirador Ulta. Noch nicht ganz oben am Tunnel, aber mit einem herrlichen Ausblick über das Tal und die hinter uns liegenden Serpentinen.




Das Schild ist schon ordentlich zugeklebt, aber wir finden für unseren Aufkleber auch noch ein Plätzchen. Das muss schließlich festgehalten werden, dass wir hier waren 😉.




Ganz oben sind wir noch lange nicht, es fehlen noch knappe 500 Höhenmeter. Also geht’s wieder rauf aufs Motorrad und weiter hoch.


… und dann taucht er plötzlich vor uns auf: der Tunnel.
Wir haben die höchste Stelle der Straße erreicht! 4735 m ü. NN!

Der Punta-Olímpica-Tunnel ist mit rund 4735 bis 4738 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Fahrzeugtunnel der Welt und mit 1384 Metern Länge der längste Straßentunnel von Peru.
Er verbindet das Callejón de Huaylas mit dem Conchucos-Tal (Carhuaz und Chacas) und wurde nach einem Jahr Bauzeit 2013 eröffnet.
Die Fahrtzeit zwischen Carhuaz und Chacas sank von zuvor rund 9 Stunden über den alten, steilen Pass auf etwa 2,5 Stunden.
Da sind wir doch mal froh, dass wir das nicht mehr fahren müssen 🤣!


Die alte Passstraße über 5.000 Meter Höhe existiert noch und wird heute gerne für Trekkingtouren oder Trailrunning genutzt.


Vor dem Tunnel treffen wir auf ein Pärchen aus Costa Rica. Die beiden haben sich für 8 Tage ein Motorrad gemietet und fahren heute auch noch bis nach Chacas.

An der Einfahrt zum Tunnel hat man einen spektakulären Blick auf die umliegenden Viertausender und Fünftausender wie den Huascarán, Chopicalqui oder Hualcán sowie auf malerische Bergseen.
… und dann gehts rein ins Vergnügen!
Wir durchfahren den höchsten Tunnel der Welt!

Auf der anderen Seite geht es in schönen Kehren wieder ins Tal hinab.





Diese Strecke ist wirklich der absolute Hammer!




Im Tal angekommen erreichen wir das kleine und sehr beschauliche Örtchen Chacas.




Chacas ist ein malerisches Andendorf in der Region Áncash, auf ca. 3.359 Metern Höhe gelegen. Es ist die Hauptstadt der Provinz Asunción und bekannt für seine gut erhaltene Kolonialarchitektur.

Wir beziehen das Alonso, Fogon & Posada, ein kleines aber feines Gästehaus mit angeschlossenem Restaurant.
Geparkt wird hinten im Garten. Direkt neben einem kleinen Hund, der anscheinend in einer Wurzel wohnt und ganz fürchterlich knurrt und kläfft. Der arme Kerl ist an eine fette Kette gelegt. Keine Ahnung, was er verbrochen hat. An seiner Stelle hätte ich aber auch schlechte Laune!



… und dann wird erstmal gegessen.



André Trucha frita, dass ist frittierte Forelle, und ich bestelle Chaufa, im Grunde genommen ein chinesisch angehauchter gebratener Reis.
Die Portion von mir sind hoffnungslos zu groß, da bleibt selbst noch was übrig, nachdem André auch noch davon gegessen hat. Aber sehr lecker und nach der langen Fahrt jetzt auch echt nötig.

Aus dem Fenster unseres Zimmers schaut man direkt auf das Wirrwar der zusammengewürfelten Häuser hier im Ort.

… und natürlich auf die Berge!



Wir machen uns nach einem kurzen Nickerchen noch mal auf den Weg, um uns den Ort anzuschauen.

Erst einmal zum Hauptplatz und der Kirche Mama Ashu (Santuario de Mama Ashu).
Die historische Kirche ist geöffnet und es findet ausnahmsweise mal kein Gottesdienst statt. Trotzdem sind direkt vorne am Altar viele betende Menschen, weshalb man sich auch hier wieder irgendwie störend vorkommt.



Wir setzen uns hinten in die vorletzte Reihe und bestaunen von dort den großen Altar. Laut Internet ein berühmtes barockes Altarblatt aus dem 18. Jahrhundert, das mit Blattgold verziert ist.
Von außen wirkt die Kirche extrem schlicht, besonders die Fenster. Wenn man draußen davonstehlt, sieht man gar nicht wie wunderschön bunt sie sind.




Draußen, vor der Kirche wird aufgeräumt.
Wir haben hier wohl ein ziemlich großes Fest verpasst. Am 18. und 19. August feiert der Ort die Namensgeberin Mama Ashu mit Prozessionen und viel Tam Tam.
Wir sehen heute am 20. nur noch was übrig ist vom großen Treiben:
Der große Platz wird geschäftig gefegt. Was immer sie da zusammenfegen…
Ich hab noch nie gesehen, dass man einen Rasen mit dem Besen fegt. Öfter mal was Neues. Muss auf jeden Fall hoch hergegangen sein, so wie der Rasen runtergetrampelt ist.
… und einige Gestalten tapern hier auch noch leicht zombiehaft ziemlich angeschlagen herum 😂.


Wir setzen uns ein bisschen auf die Bank und schauen zu.
… auch diesen beiden. Die scheinen sich echt gefunden zu haben! Die ganz ganz große Liebe…

Auf der Suche nach einer Keramiktasse (die ich leider immer noch nicht gefunden habe… auch in Ecuador) landen wir schließlich in den Don Bosco Werkstätten.

Die Artesanos Don Bosco in Chacas sind ein weltberühmtes Projekt für Holzschnitzerei, sakrale Kunst und Handwerk. Sie wurden 1976 von dem italienischen Salesianerpater Ugo de Censi im Rahmen der Operación Mato Grosso gegründet, um armen Jugendlichen in den peruanischen Anden eine berufliche Perspektive zu bieten



Lokale Handwerker fertigen weltberühmte Möbel, Holzarbeiten und Glasfenster an.

Am Eingang steht ein freundlicher Mann, der uns ein bisschen herumführt und erklärt.



Diese riesigen Holzskulpturen z.B. sind eine Auftragsarbeit aus den USA. Sie werden für eine Kirche in Florida angefertigt. Erst ein kleines Modell und anschließend das richtige Objekt. Das Holz ist aus Italien.
Je nachdem, was angefertigt wird, werden heimische Hölzer oder importierte genommen.

Wir schlendern durch die gepflasterten Gassen und bestaunen die traditionellen Häuser mit den geschnitzten Holzbalkonen.



Die Balkone wirken teilweise super alt, sind sie aber gar nicht. Der nette Mann von den Werkstätten erzählt uns, dass die meisten Balkone hier am Hauptplatz nicht mehr als 25 Jahre alt sind, teilweise sogar jünger.







Nach der Runde geht’s zurück zum Hotel und ins Bett.
Wird eh bald dunkel und wir sind hundemüde.
