Von Cuenca nach Loja

André ist krank. Scheiße. Gestern auf der Fahrt schon machte er irgendwie einen erschöpften Eindruck.

Bauchkrämpfe nach dem Essen… das hat er schon länger. Allerdings schlage ich mich ja auch schon seit Wochen mit meinem Verdauungsproblem herum.

Aber bei ihm kam heute Nacht Schüttelfrost dazu. Erste Anzeichen, das er Fieber haben könnte…

und ich Schaf habe vergessen, ein Fieberthermometer mitzunehmen.

Ey, wir haben echt allen Scheiß mit in unserer Bordapotheke… aber das wichtigste, das Fieberthermometer habe ich vergessen!

Jetzt müssen wir morgen erstmal zusehen eines zu kaufen um Klarheit zu bekommen. Richtig Temperatur kann ich nämlich nicht fühlen, aber der Schüttelfrost ist echt verdächtig.

Nachdem wir die halbe Nacht die KI gequält haben und nach Abwägung der Symptome und Umstände, kommt diese darauf, dass er sich höchstwahrscheinlich einen Parasiten eingefangen hat, wäre in Ecuador nicht ungewöhnlich.

Es kann auch mit der Höhe zu tun haben, allerdings sind wir gerade nur noch auf 2500m und bisher war ich eher diejenige, die mit der Höhe zu kämpfen hat.

Fakt ist, er ist ziemlich dehydriert. Trinkt erstmal die halbe Nach ziemlich viel Wasser, plus Elektrolyte, die haben uns ja schon mal in Costa Rica und Panama den Arsch gerettet.

… und morgen wird ein Thermometer gekauft

und diese Medikament gegen Parasiten. Am besten ne Großpackung, damit ich das auch nehmen kann.Wer weiß, vielleicht ist mein „Dauerproblem“ nichts anderes… aber ich habe kein Fieber.

Auf jeden Fall hängen wir jetzt erstmal hier in Loja fest.

Zumindest, wenn es André nicht bald besser geht.

Das ist schlecht. Wir wollen übermorgen eigentlich zur Grenze fahren und dann am 12. August nach Peru.

Wenn das nicht klappt, hängt uns die Zeit etwas im Nacken.

Zu allem Überfluss regnet es draußen Bindfäden. Nicht gerade rosige Zeiten für uns hier in Loja.

Gestern war alles eigentlich noch ganz fein.

Wir starten in Cuenca ganz entspannt um 11 Uhr. Bis dahin haben sich die Wolken verzogen und die Sonne schaut stellenweise schon heraus.

Raus aus Cuenca geht relativ gut, bis auf ein paar haarige Stellen wo Google veräppeln will.

Achja Google… das ist der nicht so schöne Teil. Als wir losfahren wollten sagt unser Garmin nämlich plötzlich gar keinen Mucks mehr.

Misst! Hoffentlich ist das jetzt nicht kaputt!

Wir navigieren also erstmal mit dem Handy.

Das geht heute ganz gut, wir fahren heute nämlich fast ausschließlich die E35.

Das Wetter ist schön, die Straße ist in ziemlich guten Zustand für ecuadorianische Verhältnisse.

Es geht in schönen weiten Kurven durch die Berge.

Die Straße ist komplett frei, keine LKW und auch sonst fast kein Auto oder irgendwas. Könnte am heutigen Feiertag liegen. Wir finden es mega!

Irgendwann, mitten in der Pampa irgendwo zwischen 2500 und 3500 Metern, nähern wir uns plötzlich einem Trupp Leuten.

Die latschen hier mit Stock, Hut und Rucksack am rechten Straßenrand herum… komisch.

Wird noch komischer. Ein paar Minuten und Kilometer später das gleiche Bild. Aber diesmal noch mehr dieser Leute.

In kleinen Gruppen laufen die am Straßenrand: Stock, Hut, Rucksack.

Wandertag oder was?

… und hier ist einfach nichts! Wo wollen die alle hin?

Irgendwann kommen nähern wir uns dem Ort Ona. Ziemlich verschlafen hier, es ist halt mitten in den Bergen.

Aber es gibt einige kleine Restaurants links und rechts der Straße.

Zeit für eine Mittagspause!

Während wir auf unser Almuerzo warten knöpft sich André noch mal unser Garmin vor… und siehe da! Es lebt plötzlich wieder! Hatte sich wohl irgendwie aufgehängt…prima, dann können wir ja jetzt wieder damit navigieren.

Was für eine herrliche Mittagspause war das! Die Suppe schmeckt mal wieder hervorragend, naja… das obligatorische Hühnchen hätte ich wieder einmal nicht gebraucht. Da knabbere ich nur ein bisschen dran herum.

Die ganze Zeit läuft Musik aus den 80ern im Hintergrund. Super!

Einziger Wehrmutstropfen: André ist irgendwie ein bisschen schlapp. Bauchgrummeln und Erschöpfung. Das mit dem Bauchgrummeln ist doof, aber irgendwie haben wir das ja die ganze Zeit… nur diese Schlappe, das gefällt mir nicht.

Wir fahren weiter.

Immer schön die E35 durch die Berge. Klare Luft, Sonnenschein, gute Straße, was will man mehr?

Irgendwann wird die Straße etwas schlechter. Stellenweise. Das muss hier teilweise ganz schöne Unwetter gegeben haben, so schlammig wie der Asphalt hier teilweise ist. An manchen Stellen hat es auch die halbe Straße weggerissen.

Aber sie warnen mit Schildern rechtzeitig vor, so dass man gut damit umgehen kann.

Schließlich erreichen wir Loja.

Viel zu früh, weil wir unterwegs einfach kein Café für ne kleine Pause gefunden haben.

Bei der kleinen Ferienwohnung, die wir über booking gebucht haben, ist noch keiner.

Also setzen wir uns erstmal in das Restaurant nebenan und trinken jetzt unseren Kaffee!

Irgendwann wird und die Villa Amada aufgeschlossen. Zwei ältere Damen empfangen uns. Die eine spricht fließend Englisch. Das macht einiges einfacher.

Die Wohnung ist unten in der alten „Villa“, wobei Villa etwas übertrieben ist, aber es ist ein kleines Stadthaus mit Garten.

Wir haben hier viel Platz, das ist wirklich gut. Ein großes Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, sogar eine Waschmaschine. Alles ein bisschen in die Jahre gekommen und bräuchte mal ne Renovierung, aber es funktioniert irgendwie (bis auf die Dusche, die ist eiskalt 😩) und es ist auch irgendwie authentisch.

Ich belade erstmal die Waschmaschine, damit das alles auch trocken wird bevor wir weiterfahren.

… und jetzt müssen wir erstmal schauen, ob wir überhaupt schon wie geplant weiterfahren.

Inzwischen ist es 8 Uhr und André ist aufgewacht.

Es geht ihm etwas besser. Der Schüttelfrost und die Kopfschmerzen sind weg. War er doch nur komplett dehydriert? Hoffentlich.

Nach dem Frühstück legen wir uns nochmal hin und ruhen aus.

Wir gehen schließlich gegen 12 einmal kurz einkaufen. Wasser. Die 5 Liter, die wir gestern Abend gekauft hatten sind schon wieder leer. André hat fleißig getrunken.

Auf dem Weg liegt auch eine Apotheke und wir holen das Thermometer… Sie haben nur Kinderthermometer in klein und handlich… jetzt sind wir stolze Besitzer eines quietschgrünen Thermometer im Froschdesign 🤣.

Wir kaufen auch dieses Mittel gegen Parasiten. André geht es zwar schon deutlich besser, aber man weiß ja nie.

Nach einer weiteren Pause machen wir uns auf den Weg in die Altstadt von Loja. Wenigstens ein bisschen gucken, wo wir hier eigentlich gelandet sind.

Heute ist Unabhängigkeitstag, ein nationaler Feiertag hier in Ecuador. Die Fahne weht, aber ansonsten ist hier nicht viel los. Hätte gedacht, dass hier am Plaza Central irgendwelche Paraden oder sowas wären.

Im Gegenteil, im Moment sind hier erstaunlich wenig Leute. Schön für uns. Wir setzen uns auf ne Bank und freuen uns, dass gerade mal wieder ein bisschen die Sonne scheint.

Das Wetter ist irgendwie seltsam. Teilweise scheint die Sonne und trotzdem gibt es so ne Art Sprühregen. Ganz fein, als wenn dir einer direkt Wasser mit so ner Sprühflasche ins Gesicht sprüht. Auf Dauer wird man da trotzdem ganz schön nass. Wir sind trotzdem die einzigen, die hier mit ner Regenjacke rumlaufen 🙈.

Zu Mittag wollen wir versuchen etwas möglichst leichtes zu essen. In dem Restaurant eines Hotels gibt es Kartoffelsuppe. Aber nur als Almuerzo. Naja egal… Die Suppe ist richtig gut, der zweite Gang auch, vor allem das Gemüse ist superlecker und zusammen mit dem Reis auch magenfreundlich. Den Nachtisch lassen wir mehr oder weniger stehen.

Danach gehen wir zum Stadttor. Eine der Sehenswürdigkeiten hier.

Ist das vielleicht ein kitschiges Ding. Von weitem mutet es an wie eine mittelalterliche Burg, wenn man davor steht wird klar, dass alles nur Fake ist:

Das Stadttor von Loja, auf Spanisch Puerta de la Ciudad, ist eines der auffälligsten Wahrzeichen der Stadt. Es wirkt wie ein mittelalterliches Burgtor, ist aber ein modernes Bauwerk aus dem späten 20. Jahrhundert.
• Das Bauwerk steht am nördlichen Eingang des Stadtzentrums, auf der Puente Bolívar, an der Avenida Universitaria beziehungsweise Gran Colombia.
• Es ist eine Nachbildung des Stadtwappens von Loja, das König Philipp II. von Spanien der Stadt verliehen haben soll – die Stadtverwaltung bezieht sich dabei auf das Jahr 1571.
• Die symbolische Idee dahinter: Loja war historisch ein wichtiger Ausgangspunkt für Expeditionen in Richtung Amazonas und wurde deshalb sinngemäß als „Tor“ zu dieser Region verstanden.
• Das heutige Stadttor wurde Ende der 1990er-Jahre errichtet; die städtische Museumsseite nennt 1999 als Baujahr und 2001 als Beginn des Museumsbetriebs.

Wir sind von dem Ding wenig begeistert. Außerdem hat das kleine Café in dem Gebäude geschlossen… doof.

Wieder auf dem Weg zurück in die Altstadt. Wir sind auf der Suche nach einem Café.

Eigentlich kann man hier in Loja wohl ganz gut Kaffee trinken, weil hier die Kaffeeregion des Landes ist.

Aber irgendwie werden wir nicht so richtig fündig. Zumindest nichts nach unserem Geschmack. Irgendwie ist uns das alles zu modern eingerichtet. Wir hätten was schönes im Kolonialstil erwartet…

Naja, dafür kommen wir aber an diversen Plätzen und Kirchen vorbei.

… und erreichen schließlich die Straße „Lourdes“.

Das ist mal ne richtig schöne Straße. Kleine bunte Holzhäuser rechts und links. Das Straßenpflaster mit schönem Mosaikmuster.

Schade nur, dass die hier die ganzen Autos durchfahren lassen!

Hier finden wir schließlich auch endlich unser kleines süßes Café.

… und trinken eine super leckere Tasse Schokolade.

Ein schöner Tag Abschluss des Tages.

Es ist zwar noch nicht spät, aber wir sind einigermaßen kaputt.

Den Rest des Tages werden wir relaxen. Morgen wollen wir weiter. André geht es soweit wieder besser. Er hatte wahrscheinlich wirklich einfach nur zu wenig getrunken. Kein Fieber, kein Schwindel und die Parasitenmedizin haben wir auch erstmal in die Bordapotheke gepackt. Einfach so nehmen ohne zu wissen, ob das überhaupt das Problem ist, macht keinen Sinn. Die Nebenwirkungen sind einfach zu hoch.

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