Trujillo: Kleine Auszeit mit Kultur

Runter von der PanAm. Wir unterbrechen unsere Fahrt auf der Panamericana. Einmal durchschnaufen, runter von der Sitzbank, kein Kilometerfressen… stattdessen Steine gucken.

Trujillo bietet gleich zwei der Top-Highlights peruanischer Prä-Inka-Kultur: die Huacas de la Sol & de la Luna und Chan Chan.

Wir starten unseren Kulturtag direkt nach dem Frühstück.

Das ist hier eigentlich ganz gut. Frühstücksbüffet… mal was anderes. Ich freue mich wie ein Schneekönig über Joghurt und Obst und esse nichts anderes.

Einziges Manko: Hier ist irgendwie eine Horde Turnmädels mit ihren Mamis und Trainern eingefallen und belagert das Buffet.

Alle hübsch gestylt mit Glitzeranzug unter Trainingsanzug, die Haare im Dutt mit passendem Glitzerhaarband. Das totale Gewusel, Geschnatter… alle ganz aufgeregt.

Ich hab ja nix gegen Turnmädels und Mamis, war ja selbst lange genug Ballettmami… aber irgendwie komme ich hier gleich in den Arbeitsmodus, wenn ich so viele Kinder auf einem Haufen sehe. Dann stellt mein Gehirn auf Schule um und das brauche ich jetzt gerade gar nicht 🙄😂. Langsam kann ich die Leute verstehen, die extra Hotels für adults only buchen. Ich glaube, ich werde alt 🙈 🤣.

Naja, wir frühstücken schnell. Morgen gehen wir entweder vor der Horde hin oder ganz spät.

Jetzt geht’s erstmal mit dem Uber zum ersten Archäologischen Spot:

Die Huacas de la Sol und de la Luna.

Nur etwa 5 km südlich von Trujillo erstreckt sich das Moche-Tal, Wiege der Moche – Kultur. Dort befindet sich eine riesige Ausgrabungsstädte, die Huacas de la Sol und de la Luna, sowie das dazugehörige Museum.

Uns wurde empfohlen zuerst das Museum zu besuchen.

Hier werden viele bei den Ausgrabungen entdeckte Artefakte ausgestellt.

Beeindruckend ist der gute Zustand der Fundstücke. Viele Dinge sind fast gar nicht beschädigt, obwohl sie schon über 1000 Jahre im Sand lagen… aber das ist wahrscheinlich der Grund, der Sand.

Über einen Fußweg gelangen wir zur Pyramide.

Dort heißt es erstmal warten, denn betreten darf man sie nur mit einem Führer.

Wir sind schließlich eine kleine Gruppe, die mit den Englisch sprechenden Ricardo loszieht: nur wir beide, Piter und Carel aus Belgien.

… der Hund wartet wohl auch oder was?

Besichtigt werden kann nur die Huaca de la Luna, der Mondtempel. Sie ist eine historische Stufenpyramide der Moche-Kultur und war das religiöse Zentrum aus Lehmziegeln (Adobe).

Die Reliefs zeigen detailreiche mythologische Figuren, Krieger und Opferrituale in leuchtenden Farben (Rot, Schwarz, Weiß, Gelb und Blau). 

Auf diesem Relief sind neben tatsächlich existierenden Tieren und Menschen auch seltsame teufelshafte Wesen abgebildet, die die Priester wohl sahen, wenn sie völlig zugedröhnt mit Kaktus (wusste gar nicht, dass man den als Droge nehmen kann) in Trance wahren.

Errichtet worden ist die Anlage zwischen ca. 100 und 850 n. Chr. an den Hängen des heiligen Berges Cerro Blanco.

Die Leute haben damals immer einen Tempel gebaut, anschließend wurde er zugeschüttet und von der nächsten Generation das nächste Bauwerk darüber gebaut. So entstanden die vielen Schichten, durch die sich die Archäologen jetzt mühsam hindurch wühlen.

Dies ist eines der wirklich gut erhaltenen, mehrfarbigen Wandreliefs der Gottheit Ai Apaec.

Die Huaca del Sol liegt gegenüber (im Hintergrund)

Sie diente eher administrativen Zwecke.

Das Schild zeigt die Lage der gefundenen Skelette geopferter Menschen. Die Köpfe alle oberhalb des Opferfelsens, die restlichen Gebeine darunter.

Unser nächstes Ziel: Chan Chan

Chan Chan ist die größte Lehmziegelstadt des antiken Amerika und liegt nur wenige Kilometer westlich von Trujillo in Peru.

Das heißt für uns: es geht einmal quer durch die Stadt auf die andere Seite. Wir teilen uns mit dem Pärchen aus Belgien ein Taxi, die wollen da nämlich auch hin.

Dort fährt uns das Taxi dann noch einmal einige Kilometer durch die Wüste. Rechts und links des Weges sieht man schon die Wände und Mauern aus Lehm, eine riesige Fläche (ca. 28 Quadratkilometer).

Das soll ein Eichhörnchen sein… auf jeden Fall niedlich, aber was hat es in den Pfoten? Ein Babyeichhörnchen? Oder ist das tatsächlich ein fleischfressendes Eichhörnchen 😳?
Krass, wie hoch die Wände sind und wie gut erhalten. Das lag alles über tausend Jahre unter einer Sandschicht…

Chan Chan war die Hauptstadt des Reiches der Chimú, wurde um das Jahr 1300 erbaut und 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

So weit das Auge reicht kann man hier im Sand buddeln und weitere Gebäude ausgraben.
Wenn man hier ganz nach ranzoomt kann man den roten Krug vom Bild unten in der Ferne sehen…

Das war dann der letzte Eindruck unseres Chan Chan Besuches: der saß da in seinem Pulli ganz harmlos und süß… als ich dann das Foto machte, kam er wild kläffend auf mich zugetobt, dass ich das Weite suchte. Mag wohl nicht fotografiert werden…

Nach Chan Chan geht’s für uns mit dem Taxi weiter nach Huanchaco.

Piter und Carel fahren da nicht mehr mit, die hatten das schon gestern auf dem Programm.

Huanchaco ist weltberühmt für seine traditionellen Schilfboote, die Caballitos de totora, die schon von präkolumbianischen Kulturen genutzt wurden. Die wollen wir uns anschauen.

Aber zuerst müssen wir dringend was essen. Das Frühstück heute Morgen war zwar reichlich aber so langsam hängt der Magen in den Kniekehlen…

Hier kann man sehr gut Fisch und Meeresfrüchte essen… mit einem schönen Ausblick aufs Meer (nun gut, auch hier muss man über etwas Müll und Schutt hinwegsehen…)

War sehr lecker!

Dann geht’s zum Schilfboote gucken…

Caballitos de Totora heißt Schilf-Pferdchen und das passt ganz gut; Die Fischer reiten rittlig auf diesen bis zu fünf Meter langen Booten, statt in ihnen zu sitzen. Diese 3.000 Jahre alte Tradition der Moche- und Chimú-Kulturen wird bis heute zum Fischfang und zum Surfen genutzt.

Die Fischer fahren im Morgengrauen mit den Booten hinaus, um im Pazifik zu fischen. Jetzt am späten Nachmittag stehen sie zum Trocknen am Strand.

Allerdings haben wir ein Boot weiter draußen gesehen, dass versuchte über die Brandung ins offene Meer zu kommen… und dies hier: Ein Opa mit seinen Enkeln.

Für uns geht es wieder zurück nach Trujillo ins Hotel in der historischen Altstadt.

Die hatten wir uns schon gestern Abend angeguckt und da es uns da zu trubelig war bleiben wir heute Abend im Hotel. Sind eh platt, Archäologie macht müde…

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